Ton brennen – Eine Komplettanleitung

Eine schöne Dekoration für das heimische Wohn- oder Badezimmer muss nicht unbedingt gekauft werden. Viel besser ist es doch, abgesehen von der Kostenersparnis, selbst ein kleines Kunstwerk zu schaffen. Mit Ton ist das mit ein wenig Übung möglich.

Aus Ton kannst du eine Reihe verschiedener Objekte töpfern. In diesem Artikel erfährst du, wie du deine Kunstwerke brennen kannst und aushärten lässt, damit du dich lange an ihnen erfreuen kannst. Am Ende des Artikels klären wir, welche Massen du nicht in einem Brennofen brennen musst und wofür sich diese Optionen eignen. 

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Ablauf des Brennvorgangs

Nachdem der Ton in die gewünschte Form gebracht wurde, geht es an den Brennvorgang. Beim Brennen von Ton wird dieser durch Hitze gehärtet und lässt sich anschließend nicht mehr formen beziehungsweise verändern. 

Ton kann wahlweise einmal oder mehrmals gebrannt werden. Einmalig gebrannter Ton ohne Glasur fällt unter den Sammelbegriff "Terrakotta" (dt.: Gebrannte Erde).

Terrakotta Rot

Gebrannter Ton ohne Glasur: Terrakotta

  • Der erste Brennvorgang, der ausschließlich der Masse ohne Glasur gewidmet ist, wird Schrühbrand genannt. Bei diesem Brennvorgang wird der Rohling in einen gebrannten Scherben verwandelt. Der Begriff Scherben sind hier in diesem Fall nicht zerstörte Fragmente aus Ton, sondern der Name für den gebrannten Ton beziehungsweise das gebrannte Tongefäß ohne Glasur. Bevor es jedoch an den ersten Brennvorgang geht, muss sichergestellt werden, dass der Ton bereits davor ausreichend Zeit zum Trocknen an der Luft hat.
  • Geschrüht wird meist bei einer Temperatur zwischen 900 und 1.000 Grad Celsius. Allerdings sollte stets ein Blick auf die Verpackung deines Tons geworfen werden, denn die Hersteller weisen gewöhnlicherweise die optimale Brenntemperatur des Tons aus.
  • Bevor du deinen Brennofen aufheizt, wird die ungebrannte Keramik geordnet im Inneren des Ofens platziert. Anschließend wird die Temperatur im Ofen anfangs nur langsam erhöht. Bis zum Quarzsprung des Tons solltest du ihn nur mit einem Temperaturanstieg von 60 bis 100° pro Stunde brennen. Bei einer Temperatur von 573° wird der im Ton enthaltene Quarz von Tiefquarz in Hochquarz umgewandelt. Die plötzliche Veränderung der kristallinen Struktur führt zu einer sprunghaften Volumenveränderung. Große und dickwandige Objekte leiten die Wärme nicht gleichmäßig, sodass es zu Beschädigungen und Rissen im Ton kommen kann. Um das zu vermeiden ist ein langsames aufheizen oder ein Verweilen auf der Temperatur ratsam.
  • Danach kannst du den stündlichen Temperaturanstieg im Ofen erhöhen. Stündliche Erhöhungen von 100 bis 200° bis zur empfohlenen Höchsttemperatur sind in der Regel kein Problem. Auf der Höchsttemperatur wird kurz verweilt (15-20 Minuten), bis sie peu à peu zurückgefahren wird, um ein gleichmäßiges Abkühlen der Keramik sicherzustellen, um Ausschuss zu vermeiden.

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Wo brennt man den Ton?

Damit du gleichmäßige Ergebnisse erzielen kannst, empfiehlt sich die Nutzung eines modernen Ofens. Diese sind im Normalfall mit Kontrollgeräten und Möglichkeiten zur genauen Einstellung von Temperaturen ausgerüstet. Das ermöglicht dir, Temperatur-Steigerungen beziehungsweise –Senkungen problemlos durchzuführen und so ebenmäßig gebrannte Keramik ohne Sprünge und Risse zu erhalten. 

Wenn mehrere Tonobjekte in einem Ofen gebrannt werden, solltest du beachten, dass sie sich nicht gegenseitig berühren. Ein Stapeln der Keramiken ist dementsprechend auch nicht zu empfehlen, das das Getöpferte mit anderen Objekten verkleben kann.

Ton Brennen Raku

Ein geöffneter Raku-Brennofen mit noch glühend heißer Glasur - Robert Course-Baker / Flickr / CC by 2.0

Achte darauf, die Keramik vor dem Aufheiz- und Brennvorgang geordnet im Ofen anzuordnen. Viele Brennöfen besitzen mehrere Etagen um die Objekte geordnet übereinander stapeln zu können. Da die Temperaturverteilung im Ofen nicht gleichmäßig erfolgt, solltest du das bei der Anordnund beachten. Meist ist die Temperatur im oberen Segment einige Grad heißer als im unteren Bereich.

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Auftragen der Glasur nach dem Schrühen

Nach dem Schrühbrand ist es wichtig, dass du den Objekten genügend Zeit zum Abkühlen einräumst. Ist der Ton abgekühlt, so kannst du beginnen, die Glasur aufzutragen. Nach dem Glasieren wird das Objekt erneut in den Ofen gestellt und nun ein zweites Mal gebrannt. 

Die benötigte Brenntemperatur, um die Glasur aushärten zu lassen, hängt von der Zusammensetzung der Glasur ab. Wenn du eine fertige Glasur verwendest, steht sie normalerweise auf der Verpackung oder in der Gebrauchsanweisung.

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Der Glasurbrand

Auch beim Glasurbrand ist es wichtig, dass sich die verschiedenen Objekte nicht berühren, denn sie würden mit- beziehungsweise ineinander verkleben. Das Aufheizen, nachdem du glasierten Keramiken in den Ofen gestellt hast, kann beim Glasurbrand schneller als beim Schrühen erfolgen.

Die Höchsttemperatur sollte ebenfalls über längere Zeit konstant gehalten werden, sodass die Glasur gleichmäßig aushärten und verglasen kann, ohne Bläschen oder andere Unebenheiten zu hinterlassen. Ein 10 bis 20 minütiges Verweilen auf Höchsttemperatur sollte diese Aufgabe erledigen.

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Töpfern ohne Brennen – Eine Alternative?

Das Brennen des Tons bringt den großen Vorteil mit sich, dass die Gefäße härter und für Wasser undurchlässig werden. Der gewöhnliche, im Handel erhältliche Ton mit einem Schamotte-Anteil sollte immer gebrannt werden, um ihn für die Ewigkeit haltbar zu machen.

Allerdings kannst du auch auf andere Modelliermassen zurückgreifen, um spannende Skulpturen zu formen, die auf den Brennvorgang mit einem Brennofen verzichten. Der Trockenvorgang für Objekte aus Ton ohne Brand erfolgt in diesem Fall ausschließlich an der Luft. 

Solche Modelliermassen erlauben es dir, die Objekte sogar bei Zimmertemperatur trocknen zu lassen und in einem normalen Backofen zu "brennen". Besonders beliebt bei Künstlerinnen und Künstlern ist der Soft-Ton ohne Schamotte-Anteil und die FIMO-Modelliermassen, die beide knetähnlich verarbeitet werden und im heimischen Backofen bei geringer Temperatur gehärtet werden können.

Fimo Hahn

Ein aus FIMO modellierter Hahn

Vor allem in Deutschland ist das Basteln und Modellieren mit FIMO ein großer Trend, der zigtausende Menschen begeistert. Größte Vorteile solcher Modelliermassen sind die direkte Verarbeitung ohne Zubereitung, die Vielfalt an Möglichkeiten und Motiven sowie die einfache Handhabung, die an professionelle Knete erinnert. Wenn du früher schon gerne geknetet hast, wirst du FIMO und Soft-Ton lieben.

Nachteil solcher Modelliermassen ist allerdings der Preis, der sich deutlich über dem von normalem Ton befindet.

Je nach Verwendungszweck kannst du dich für das Basteln mit Modelliermasse oder das Ausformen und anschließende Brennen gewöhnlicher Tonmassen entscheiden.

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