Der richtige Brennofen für Keramik und Ton

Bei der Anschaffung eines eigenen Keramik-Brennofens sollten vor der Kaufentscheidung grundlegende Faktoren bewertet und berücksichtigt werden. 

Dieser Kaufratgeber unterstützt dich in der Entscheidungsfindung und hilft dir, den für dich passenden Keramikbrennofen und das richtige Zubehör zu finden.

So wird dein Keramik-Heimstudio perfekt und du wirst lange Freude an der Arbeit mit deinem eigenen Brennofen haben!

Wo den eigenen Brennofen kaufen?

Wenn du einen für die Keramik geeigneten Brennofen kaufen willst, hast du dazu mehrere Möglichkeiten. Hier findest du die besten Bezugsquellen.

Ebay

Ebay bietet dir eine überraschend große Auswahl an Brennöfen. Besonders die bereits gebrauchten Angebote und Auktionen aus einem Privatverkauf stellen sich als enorm preiswert heraus. Achte bei deinem Kauf darauf, ein Angebot in deiner Nähe zu finden oder einen Verkäufer, der bereit ist, den Ofen mit einer Spedition zu versenden.

Ebay-Kleinanzeigen

Auch auf Ebay-Kleinanzeigen findest du preiswerte Angebote, um einen Brennofen zu kaufen. Einziger Nachteil der Kleinanzeigen ist, dass es sich dabei meist um einen festgesteckten Preis handelt, bei dem sich die Verkäufer nur ein wenig herunterhandeln lassen. Bestpreis-Garantie gibt es eher in den Auktionen auf ebay.

Amazon

Die Auswahl an Brennöfen auf Amazon ist nicht non-existent aber dennoch sehr reduziert. Das Sortiment dort besteht zum größten Teil aus Produkten der Marke EFCO.

Direkt vom Hersteller

Den Brennofen direkt vom Hersteller zu kaufen, ist wahrscheinlich die einfachste aber auch eine teure Methode. Die neuen oder gebrauchten Öfen sind mit einer mehrjährigen Garantie ausgestattet, die selbstverständlich ihren Preis hat.

Brennofen Kaufratgeber

Beantworte die folgenden Fragen für dich und finde heraus, welcher Brennofen deine Ansprüche am besten erfüllt! Wofür möchtest du den Brennofen verwenden?

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Welche Temperaturen sind relevant?

Ein Kriterium für die Auswahl des Brennofens ist die Art des zu verarbeitenden Materials und der verwendeten Glasur. Überlege dir im ersten Schritt, welche Produkte du herstellen möchtest und welche Keramik du dafür verwendest! Steingut, Steinzeug oder Porzellan benötigen unterschiedlich hohe Brenntemperaturen. Der sich im Brennofen befindliche Ton bzw. die Masse besitzt gravierend unterschiedliche Brennpunkte.

Dein Brennofen sollte auch den Schmelzpunkt deiner verwendeten Glasuren abdecken können. Verwendest du niedrig schmelzende Glasuren, wie etwa bei der Raku-Keramik, liegt der Schmelzbereich bei etwa 800 °C bis 1000 °C. 

Bei hoch schmelzenden Glasuren beginnt der Schmelzbereich bei 1000 °C und reicht bis ca. 1400 °C

Zudem solltest du darauf achten, einen Brennofen zu erwerben, der die für deine Arbeit erforderliche Höchsttemperatur nicht nur erreicht, sondern sogar überschreitet.

Warum? Die Leistung des Brennofens wird sich mit der Zeit reduzieren. Das heißt, dass die Fähigkeit hohe Temperaturen zu halten über den Nutzungszeitraum abnimmt. Ausgehend von der benötigten Mindesttemperatur solltest du einen Brennofen mit ca. 100-150 °C höherer Temperaturleistung als anfänglich benötigt erwerben.


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Wie groß muss mein Brennofen sein?

Hängt ganz davon ab, mit welchen Mengen und Größen von Brenngut du hantierst.

Überlege dir, welche Größe deine Projekte maximal besitzen sollen und welche Stückzahlen du gleichzeitig brennen möchtest. Die Antwort auf diese Frage gibt dir einen wichtigen Hinweis über die benötigten Dimensionen deines Brennofens.

Beachte bitte, dass der Brennofen immer voll bestückt in Betrieb sein sollte. So erreichst du die höchste Effizienz. Die Größe der Brennkammer sollte ebenso überdacht werden, wie die Zeit, die du benötigst, um den Ofen vollständig zu befüllen.

Unterschiedliche Größen: Bis 40 Liter

Brennöfen mit Abmaßen bis zu 40x30 cm und 40L eignen sich am besten für das Brennen von Perlen, Puppenteilen, kleineren Stücken oder auch Testgegenständen. Neueinsteiger sollten über die Wahl eines solchen, kleineren Brennofens nachdenken.

100 Liter 

Möchtest du größere Stücke wie Teller, Töpfe oder Schalen herstellen und dies nur in kleiner Stückzahl machen, ist ein Brennofen der Abmaße 50x50 cm und 100L gut geeignet. Genauso eignet sich diese Größe für Künstler, die größere Mengen kleiner Stücke brennen möchten.

160 Liter

Mit 60x70 cm und 160L ist der Brennofen sehr gut für den professionellen Einsatz geeignet. Hast du großes Brenngut bzw. möchtest du große und viele Stücke brennen, ist ein Brennofen der Abmaße ab 300L am besten geeignet.

Welche Raumgröße hast du zur Verfügung?

Natürlich musst du bei der Anschaffung des Brennofens auch den für deinen Ofen zur Verfügung stehenden Platz berücksichtigen. Länge, Breite und Höhe des Brennofens sind für die Platzberechnung ebenso wichtig, wie der vom Brennofen benötigte Atemraum von mindestens 60 cm zu jeder Seite.


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Top-Lader versus Front-Lader

Top-Lader Brennofen

Ein Top-Lader wird von oben befüllt - Foto: Thomas Holt / Shutterstock.com

Die Frage Top-Lader oder Front-Lader ist eine Frage des gewünschten Arbeitskomforts.

Nicht zuletzt solltest du darüber nachdenken, welcher Arbeitskomfort für dich wichtig ist. Mit Sicherheit handelt es sich hierbei um eine ganz individuelle und persönliche Gefühlsentscheidung.

Top-Lader Brennöfen sind im Regelfall preisgünstiger. Was jedoch bei der ersten Befüllung noch problemlos erscheint, kann sich bei dauerhafter Nutzung auch als anstrengend erweisen. Du solltest dir also überlegen, inwieweit die Mehrkosten für einen Front-Lader deiner Gesundheit und deinem Arbeitskomfort entgegenkommen.

Front-Lader Brennofen

Ein Front-Lader wird von vorne befüllt - Foto: anistidesign / Shutterstock.com


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Welches Brennmittel passt du mir?

Brennöfen gibt es sowohl in der Ausführung als elektrischer Ofen, Gasbrennofen oder auch als Brennofen mit Naturmaterial.

Moderne Keramik-Brennöfen werden heutzutage überwiegend elektrisch betrieben. Im Vergleich zu Gasbrennöfen haben sie den Vorteil, dass keine gesonderten Genehmigungen eingeholt werden müssen. Sie sind zudem einfacher zu bedienen und zu regeln, und sie sind für alle Brennarten zu verwenden.

Gasöfen werden sowohl mit Erdgas als auch Propan betrieben.

Traditionell wurden Gasöfen oder auch Holzbrennöfen für das Raku-Brennen verwendet. Aber auch diese Technik lässt sich heutzutage über elektrische Brennöfen abdecken. So bleibt es letztendlich eine Frage der persönlichen Neigungen, welche Brennart bevorzugt wird.

Wissenswert ist, dass man bei Verwendung elektrischer Brennöfen hellere Farben erhält und bei Gasöfen eher erdigere, gedämpfte Farben. Hintergrund ist die unterschiedliche Sauerstoffreduktion in der Luft.


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Welche Strom- und Spannungswerte?

Im Idealfall sollte der Energiebedarf des Brennofens der Stromversorgung entsprechen, die am geplanten Standort anliegt. Bei größeren Anlagen über 14,5 kW ist es erforderlich mit dem zuständigen Energieversorgungsunternehmen Rücksprache zu halten. Es kann notwendig sein, zusätzliche Installationen zu tätigen. Im Idealfall kannst Du Tarif-Vergünstigungen erhalten.

  • Grundsätzlich gilt: Bei Unsicherheiten ist ein ortsansässiger Elektriker hinzuzuziehen.

Je größer der Ofen ist, desto mehr Energie wird für den Betrieb benötigt. Der Bedarf eines größeren Brennofens liegt bei über 5kW. Daher wird er über einen CEE-Stecker an eine 400V Drehstrom-Steckdose (Starkstromsteckdose) angesteckt, bzw. wie ein Herd fest angeschlossen. Die normale Haushaltssteckdose, mit 230V, ist für kleinere Brennöfen vollkommen ausreichend.

Der Betrieb eines Brennofens sollte grundsätzlich mit einem Fehlerstromschutzschalter abgesichert sein.


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Ist eine verstärkte Isolierung gewünscht?

Keramikbrennöfen sind aus energetischen Gründen grundsätzlich isoliert. Dennoch besteht bei einigen Modellen die Möglichkeit, die Isolierung zu verstärken. Im Ergebnis kühlt der Brennofen dadurch langsamer aus. Das wirkt sich positiv auf die Glasurentwicklung und den Energieverbrauch aus.

Brennofen Zubehör

Mit dem Kauf eines Brennofens, ist zumeist auch die Anschaffung von entsprechendem Zubehör verbunden. Wir erklären dir wichtige Zubehörteile. So kannst du über deren Wichtigkeit für dich entscheiden.

Abhängig davon, was du produzierst, steht eine Palette von Hilfsmitteln zur Verfügung, die den Brennvorgang entscheidend vereinfachen.

Stellst du Kleinteile, wie beispielsweise Perlen, Kugeln oder Glöckchen her, ist die Anschaffung entsprechender Ständer sinnvoll.

Für die Herstellung von Tellern, werden sogenannte Tellerstützen verwendet.

Im Fachhandel erhältst Du Dreikantleisten, Dreifüße, Rundstützen, Varioständer und vieles mehr.

Einbauplatten (Regale) optimieren den im Ofen zur Verfügung stehenden Platz.

Hitzebeständige Handschuhe sollten unbedingt zu deiner Grundausrüstung zählen.

Zur Wärmebeobachtung und zur Bestimmung des Brenngrades im Brennofen verwendest du sogenannte Segerkegel. Herrmann Seger entwickelte 1886 deren Zusammensetzung. Trotz moderner Mess- und Regeltechnik werden auch heute noch Seger-Kegel verwendet. Sie messen nicht nur die Temperatur im Brennofen, sondern zeigen zugleich die Einwirkung von Temperatur und Zeit auf das Brenngut an. Da Segerkegel aus den gleichen Roh- und Grundstoffen gefertigt werden, die in der Keramik üblich sind sie beim Brand den gleichen physikalisch-chemischen Bedingungen unterworfen und geben dadurch am besten Auskunft über Brennfehler und Brennqualität.

Elektronische Regler können den Brennvorgang um ein Vielfaches erleichtern. Sie übernehmen die Steuerung und Reglung des gesamten Brennvorgangs. An dieser Stelle gibt es, genau wie bei Wahl der Brennart kein Besser oder Schlechter. Der Entscheidung, ob eine solche Zusatzausstattung notwendig ist, liegt allein beim Anwender.

Entsprechend der Brennart ist, sofern keine zentrale Erdgasversorgung vorhanden ist, die Anschaffung einer geprüften Propangasflasche notwendig

Bekannte Brennofen Hersteller

Der Kauf eines Brennofens ist eine sehr individuelle Entscheidung. Sie sollte, nicht zuletzt aufgrund der damit verbundenen Kosten, gut abgewogen werden. Einige Hersteller von Brennöfen haben sich hierzulande wegen hervorragender Qualität und Zuverlässigkeit bewährt.

Im Folgenden werden die bekanntesten Hersteller von Brennöfen aufgeführt.

Die Aufstellung kann aufgrund der Vielzahl der Hersteller von Brennöfen nicht abschließend sein. Sie ist daher nur als Information, bezogen auf den deutschen Markt, zu betrachten.

Andere Hersteller, die nicht genannt wurden, bieten ebenfalls sehr zuverlässige Produkte an.

Nabertherm Brennöfen

Die familiengeführte Nabertherm GmbH aus Lilienthal in Deutschland gehört zu den international führenden Herstellern im Bereich des Ofenbaus.

Nabertherm Öfen sind als Kammeröfen (Front-Lader) und als Top-Lader erhältlich. Egal ob Hobby-Gebrauch oder professionelle Anwendung, im Nabertherm Sortiment findet sich ein passender Brennofen.

Kammeröfen werden in Keramikwerkstätten, Kliniken, Schulen, im privaten Gebrauch und auch in der Industrie eingesetzt. Durch die weit öffnende Tür können diese Modelle einfach und übersichtlich befüllt und platziert werden.

Nabertherm produziert auch Top-Lader Brennöfen. Diese sind im Vergleich zu den Kammeröfen um ca. die Hälfte preiswerter bei gleichem Volumen, sind aber nicht in allen Größen verfügbar.

Rhode Brennöfen

Seit 30 Jahren zählt die Helmut Rhode GmbH zu den führenden Brennofenherstellern in Europa. Ihr Produktportfolio umfasst Brennöfen und Maschinen für Keramik und Glas, Serienprodukte und industrielle Anlagen zur Wärmebehandlung.  

Das Unternehmen ist sowohl bekannt für seine Auswahl an elektrischen Kammeröfen und Top-Ladern als auch für gasbetriebene Öfen und RAKU-Brennöfen.

Die Produktion erfolgt in-House. Von der Materialwahl bis zum Ofenbetrieb wird Wert auf Langlebigkeit und Effizienz gelegt. Aufgrund eines europaweiten Händlernetzes garantiert das Unternehmen im Ersatzteilbedarf schnellste Versorgung.

Pyrothec Brennöfen

Die PYROTEC Brennöfen GmbH mit Sitz in Osnabrück besitzt langjährige Erfahrung im Ofenbau.

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und eine zuverlässige Kundenbetreuung sprechen für die soliden Top-Lader-Brennöfen von Pyrothec.

Kittec Brennöfen

Die Kittec GmbH aus Rosenheim besitzt langjährige Erfahrung im Ofenbau. Als erster Ofenproduzent stellten sie 1979 ihren Top-Lader vor. Das war ein Meilenstein in der Geschichte des Ofenbaus.

Abgesehen von einer eigenen Industrial-Linie produzierte Kittec diverse Brennöfen für den privaten und professionellen Gebrauch. Die Studio-Linie, steht für ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis und eine Fertigung in Kleinserie.

Die Brennöfen der Classic-Linie gewährleisten durch eine 3- bzw. 5-seitige Beheizung der Außenwände eine optimale Temperaturverteilung. Die Heizspiralen sind in Rillensteinen verbaut und in den Wandaufbau integriert.

Komplett aus Edelstahl sind die Brennöfen der Kittec Professional Linie. Besonderheiten sind höhenverstellbare Füße, Lamellenbleche mit Hinterlüftung und eine R-SIC-Deckenplatte (Rekristallisiertes Siliziumkarbid).

Fazit zum Brennofen in der Keramik

Der Kauf eines Brennofens soll durchdacht und geplant geschehen. Die Anschaffung rentiert sich meist über viele Jahrzehnte oder gar eine Lebenszeit.

Die Entscheidung für einen Keramik-Brennofen basiert immer auf persönlichen Erfordernissen und Vorlieben. Sie sollte gut durchdacht werden, da sie aufgrund des hohen Anschaffungspreises oftmals auch eine Entscheidung von Dauer ist.

Auch der Austausch mit erfahrenen Brennofen-Besitzern kann eine wichtige Informationsquelle in der Entscheidungsfindung sein und entsprechende Hilfestellung geben.

Umso durchdachter die Entscheidung ist, umso mehr Freude wird die Arbeit mit dem neuen Gerät bereiten.

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