Die Frottage Technik in der Grafik

Bei der Frottage handelt es sich um eine Durchreibetechnik, die ihren Ursprung in der Grafik hat. Ihr Entdecker war der berühmte Surrealismus Künstler Max Ernst. Er schuf in der zweiten Hälfte des Jahres 1925 hunderte von Frottage Zeichnungen. Vierunddreißig wurden ein Jahr später mit dem Titel „Historie Naturell (Naturgeschichten) publiziert. Sie gehören heute zu den schönsten Serien moderner Grafik.

In diesem Artikel erfährst du, was die Frottage Technik überhaupt ausmacht, was du dafür benötigst und welche Künstlerinnen und Künstler prägend für ihre Verbreitung waren.

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Frottage Technik Anleitung

Für die Frottage kannst du die unterschiedlichsten Materialien als Druckstock verwenden, deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Einzige Voraussetzung ist, dass die Materialien, die du verwendest reliefartig sind und eine raue Oberflächenstruktur haben. 

Als Druckträger verwendest du Papier. Es wird über den Gegenstand gelegt und vorsichtig mit den Händen fixiert. Anschließend nimmst  du einen weichen Blei- oder Kohlestift und reibst über das Papier. Durch das Abreiben wird die Oberflächenbeschaffenheit deines Wunschobjektes auf dem Blatt abgebildet. Sie wird grafisch sichtbar.

Der Unterschied zu Hoch- und Tiefdruck ist hier, dass der Druckstock nicht eingefärbt werden muss. Das Ergebnis ist ein unscharf konturiertes Abbild des Materials. Die erhabenen Stellen erscheinen auf dem Papier dunkler, da an ihnen mehr Abriebmaterial haften bleibt.

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Benötigte Materialien

Als Druckstock kannst du beispielsweise ein Blatt vom Baum, den Asphaltboden vor deinem Haus oder einige Gegenstände aus dem Alltag nehmen. Wenn du einmal damit begonnen hast, wirst du schnell merken, wie viele Möglichkeiten dir die Frottage- Technik bietet.

Du kannst damit ganze Kunstwerke, wie die von Max Ernst gestalten: Landschaften, Tiere oder Fantasiewesen. Lege dir einen eigenen Druckstockkatalog an und probiere immer wieder neue Varianten und Kreationen aus. Die Frottage Technik ist eine ganz eigene Ausdrucksform. Du kannst sie mit Techniken der Malerei ergänzen oder zu einer Collage gestalten, um ein ganz neues Werk zu schaffen.

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Historischer Hintergrund 

Der Historiker Patrik Waldberg schreibt, dass Max Ernst sich 1925 bei regnerischem Wetter in einem Gasthaus am Meer befand. Dort betrachtete er die Rillen in dem ausgewaschenen Fußboden, die von tausenden von Kratzern vertieften Furchen der Holzdielen und fühlte sich betroffen von der Faszination, die davon ausging. Er machte eine Reihe von Zeichnungen dieser Fußbodendielen. Dann begann er auf dieselbe Weise die verschiedenen Materialien, die ihm unter die Augen kamen, zu untersuchen: Blätter und ihre Adern, ausgefranste Ränder einer Sackleinwand, Pinselstriche eines modernen Gemäldes und sogar einen abgespulten Faden.  

Anschließend beschrieb er seine Gedanken zur Frottage- Technik (frz. frottage technique) in seinem Traktat „Jenseits der Malerei“ folgendermaßen: 

„Die so entstandenen Bilder und Zeichnungen verloren immer mehr den Charakter (…) des Holzes, spontan, verwandelten und veränderten sie sich und wurden zu unglaublich klaren Bildern, die wahrscheinlich den tiefsten Grund meiner Besessenheit enthüllten“. 

(Waldberg, Patrik, Der Surrealismus, Köln 1965, S. 72.)

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