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Fluid Paintings kreieren mit Acrylic Pouring

Die Acryl Fließtechnik erlebt seit einigen Monaten einen scheinbar nicht zu stoppenden Hype in den USA und auch hierzulande verbreitet sich die Technik wie ein Lauffeuer. Kein Wunder, denn das sogenannte Acrylic Pouring begeistert die Künstler mit seinen unvorhersehbaren Kreationen, bunten Farbspielen und abwechslungsreichen Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Anleitung hält für dich alles bereit, was du über Acrylic Pouring wissen musst, um schnell loslegen zu können: Zutaten, Rezepte und Anwendungsempfehlungen sowie grundlegende und fortgeschrittene Techniken.

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Einleitung in die Begrifflichkeiten

Bevor es mit der eigentlichen Anleitung losgeht, solltest du mit den begrifflichen Grundlagen vertraut sein.

  • Fluid Art bedeutet zunächst einmal auf Deutsch übersetzt nichts weiter als "Flüssige Kunst". Kennzeichnend für Fluid Art und Fluid Paintings ist die Verwendung von Acrylfarben mit besonders hoher Fließfähigkeit. Die Fließfähigkeit ist essenziell, damit die Farbe mithilfe unterschiedlicher Methoden geschmeidig über den Malgrund fließen kann.
  • Acrylic Pouring beschreibt die wohl beliebteste Methode, um Fluid Art zu kreieren. Beim Acrylic Pouring werden Acrylfarben auf einen bespannten Keilrahmen gegossen und durch Neigungen der Oberfläche in ihrem Farbverlauf beeinflusst. Neben einer geeigneten Rezeptur aus Farbe, Bindemittel und Wasser können Öle und andere Zusätze beigemischt werden, um eine Zellstruktur im Bild entstehen zu lassen.

"Acrylic Pouring" und "Acryl Fließtechnik" entsprechen einander und werden in dieser Beschreibung synonym verwendet.

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Vorbereitung der Umgebung

Bei der Acryl Fließtechnik tropft Farbe von allen Seiten: Keilrahmen, Becher und Hände sind ein einziges farbiges Durcheinander. Daher ist es umso wichtiger, vor jeder Session die nötigen Vorbereitungsmaßnahmen zu ergreifen.

Du solltest deine Arbeitsfläche mit Folie auskleiden, die sich leicht anbringen und entfernen lässt. Auch Einmalhandschuhe, die du nach jeder Einheit mühelos abstreifen und entsorgen kannst, wirst du benötigen. Günstige Plastikbecher, die du nach dem Gebrauch einfach wegwirfst, sind die unkomplizierteste Lösung, um die Farbmischungen zuzubereiten.

Zum Ablegen und Trocknen der Farben bietet es sich an, 4 gleich hohe Becher als Podest zu nutzen. Dadurch kann die überschüssige Farbe vom Keilrahmen auf die Abdeckplane tropfen, ohne am Rand des Bildes festzukleben.

Den Farbüberfluss, der sich unterhalb des Bildes ansammelt, kannst du zu großen Teilen auflesen und für eine kommende Malstunde nutzen, wenn du die Farbe luftdicht verschließt. 

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Vorbereitung der Farben: Viskosität

Damit die Acrylfarbe gegossen werden kann und geschmeidig über den Maluntergrund fließen kann, muss sie verdünnt werden. Um die gewünschte hohe Strömungsfähigkeit zu erreichen, wird das Pouring Medium der Farbe beigemischt. Das Medium bindet die einzelnen Pigmente aneinander und verbessert die Fließeigenschaften, ohne die Farbstruktur zu zerstören.

Schließlich ist das auch das Problem beim Verdünnen der Farbe mit Wasser: Die Menge an Wasser, die benötigt wird, um die Farbe ausschließlich mit Wasser ausreichend zu verdünnen, greift die Struktur der Acrylfarbe an. Das Verhältnis zwischen dem Lösungsmittel und dem Bindemittel wird aus dem Gleichgewicht gebracht, die Pigmente verteilen sich ungleichmäßig und der Farbfilm reißt.

Das bedeutet nicht, dass du gar kein Wasser verwenden kannst, um die nötige Viskosität der Farbe zu erzielen. Am häufigsten wird die Farbe zunächst mit dem Gießmedium gebunden und vermischt, bevor Wasser der Mischung hinzugefügt wird, um die Konsistenz anzupassen.

Bezüglich der perfekten Konsistenz gibt es keine klaren Vorgaben. Die Farbmischung sollte sich leicht gießen lassen und geschmeidig über das Bild fließen, um die Bewegung der Farbe durch das Neigen der Oberfläche oder die Bearbeitung mit einem Hilfswerkzeug beeinflussen zu können. In den meisten Rezepturen werden jedoch nicht mehr als 30% Wasser genutzt.

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Gießmedien für das Fluid Painting

Viele Medien eignen sich gut für Fluid Paintings. Die folgenden Drei sind Optionen, die sich schon für viele Künstler besonders gute Dienste geleistet haben.

  • 1
    Am beliebtesten ist das Liquitex Gießmedium, da es zuverlässig hohe Qualität bietet und erstklassige Ergebnisse erzielt. Liquitex behält die Strahlkraft der Farbe bei und trocknet gleichmäßig ohne Risse oder Unebenheiten. Da Liquitex nun auch in Deutschland als bestes Gießmedium bekannt wird, schwankt der Preis oft zwischen unterschiedlichen Anbietern.
  • 2
    Floetrol kennt man eher aus dem Baumarkt, da es eigentlich für großflächige Malerarbeiten konzipiert wurde. Es verbessert die Fließeigenschaften der Farbe und verkürzt die Trocknungszeit, sodass es von einigen Fluid Paintern als Gießmedium zweckentfremdet wird. Viele Künstlerinnen und Künstler nutzen Floetrol als einziges Medium oder in einer Mischung mit anderen Gießmedien.
  • 3
    ​​Die günstigste Alternative ist PVA-basierter Kleber. Das PVA bindet die Pigmente und kann mit Wasser ausreichend stark verdünnt werden, um die benötigte Konsistent zu erzeugen. Ein Nachteil vieler Bilder, deren Farbe ausschließlich mit PVA-Kleber und Wasser angerührt werden, ist der Säureanteil im PVA. Dadurch kann die Farbe nach dem Trocknen etwas dumpf bzw. matt wirken. Eine bessere Option ist es, den Kleber mit einem anderen Gießmedium zu vermischen oder PH-neutralen Kleber zu benutzen.

Das beste Medium für die Fließtechnik

Das beste Medium als Einheitslösung gibt es nicht. Viel mehr geht es darum, dass du unterschiedliche Optionen ausprobierst, miteinander mischst und die Mixturen modifizierst, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Während Liquitex als Premium-Produkt dauerhaft höchste Qualität liefert, kann eine Mischung aus mehreren Gießmedien wesentlich günstiger sein und gleich gute Resultate bringen.

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Rezeptideen

Farbrezepte variieren extrem, da sie von vielen Faktoren abhängen. Ein perfektes Rezept gibt es demzufolge nicht. Schließlich macht auch das Ungewisse die Faszination Fließtechnik aus.

Als Ausganspunkt für deine ersten Versuche kannst du dich an folgendem Rezept orientieren:

  • 50% hochwertige Farbe
  • 30-40% Medium
  • 10-20% ​Wa​​​​sser
  • (Ggf. einige Tropfen Silikonöl für Zellbildung)

Die einzelnen Farbtöne werden voneinander separiert zubereitet und treffen erst als fertige Mischung auf dem Keilrahmen (siehe Puddle-Pour) oder in einem gemeinsamen Farbbehälter (siehe Dirty-Pour oder Flip Cup) aufeinander.

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Die verschiedenen Techniken

Unterschiedliche Techniken führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Namen stammen aus den USA und werden auch in Deutschland weitläufig verwendet.

Mit diesen Techniken solltest du dich vertraut machen: 

Puddle-Pour

Der Puddle-Pour ist eine beliebte und sehr einfach auszuführende Gießtechnik. Hierbei werden die einzelnen Farben nacheinander ähnlich einer Pfütze auf das Bild gegossen. Die erste Farbe bildet die Basis, in die weitere Farben gegossen werden. Die Farbauswahl und die Anzahl unterschiedlicher Farben bestimmst du selbst.

Sobald du mit deiner Farbpfütze zufrieden bist, geht es daran, sie über das Bild gleiten zu lassen, bis du eine Form erkennst, die dir gefällt.

Meistens wird bei einem Puddle-Pour mit mehreren unterschiedlichen Pfützen gearbeitet, um die Verläufe deines Fluid Paintings spannender zu gestalten.

Dirty-Pour

Der Dirty-Pour wird häufiger genutzt als der Puddle-Pour, da das Ergebnis wesentlich unvorhersehbarer ist und die Farbverläufe besser verschmelzen. Bei einem Acrylic Dirty-Pour werden die einzelnen Farben nicht in getrennten Behältern nacheinander auf das Bild gegossen, sondern vor dem Guss in einem gemeinsamen Behälter vorbereitet.

Der mit den Farben befüllte Behälter wird nur ganz leicht umgerührt, um etwas Bewegung in die Zusammensetzung zu bekommen aber ohne die Farben nachhaltig miteinander zu vermischen.

Auch das Silikonöl wird bei Dirty-Pours gerne eingesetzt, um eine faszinierende Zellstruktur zu erzeugen.

Achte darauf, dass du das Öl beim Mischen der einzelnen Farben hinzugibst und es nicht erst in den Sammelbehälter aller Farben mischst. Nur so ist es möglich, eine ebenmäßige Zellstruktur zu erzeugen.

Anschließend wird der gesamte Behälterinhalt auf einen Malgrund gegossen und durch ein Hin- und Herneigen der Oberfläche bewegt.

Flip Cup

Beim sogenannten Flip Cup wird die Farbe ähnlich des Dirty-Pours in einem gemeinsamen Farbbehälter gesammelt. Daraufhin wird der fertige Becher mit allen Farben und deren Zusätzen mit seiner Öffnung auf das Bild gestellt und angehoben.

Durch Kippen des Keilrahmens kannst du Einfluss auf die Komposition nehmen oder du verwendest gleich so viel Farbe, dass das gesamte Bild nach anheben des Bechers mit Farbe eingehüllt wird. Beide Varianten erzielen sehenswerte Resultate.

Um einen erfolgreichen Flip Cup mit Zellstruktur hinzulegen solltest du dich ein wenig mit der Dichtheit der Farben und den möglichen Zusätzen auskennen. Wenn du diese Sachen berücksichtigst, wirst du mit der Flip-Cup-Technik die besten Zellen hinbekommen.

Falls dir ein Becher nicht ausreicht, kannst du genauso gut mit mehreren Bechern gleichzeitig arbeiten. Hervorragend eignen sich dazu mehrere miteinander konkurrierende Farbfamilien, die eine sichtbare Kante hinterlassen.

Swipe

Der Swipe bzw. die Wischtechnik kann alleine oder in Verbindung mit anderen Techniken ausgeführt werden. Ziel des Swipes ist es normalerweise, die Zellen besser herauszukristallisieren oder fließende Bewegung in das Bild einzuarbeiten.

Um über die Farbe zu wischen, benötigst du als allererstes das geeignete Werkzeug. Malmesser, Spachtel oder dicke Plastikfolie funktionieren allesamt einwandfrei.

Neben einen frischen Guss Farbe wird die Farbe für den Swipe gegossen. Da Weiß so gut als oberste Schicht dient, um die gewünschte Netzstruktur zu erschaffen, kommt Weiß häufig bei der Wischtechnik zum Einsatz. Mit welcher Technik du die übrigen Farben gießt, kannst du frei nach deinem Geschmack wählen. Ein Puddle-Pour eignet sich für die Wischtechnik genauso gut wie ein Dirty-Pour oder ein Guss der keinem Konzept folgt.

Wichtiger ist, dass den einzelnen Farben Silikonöl beigemischt werden, bevor sie gegossen werden.

 Sobald du die zusätzliche Deckfarbe aufgetragen hast, geht es daran, sie über den eigentlichen Guss zu wischen. Mithilfe des Werkzeugs kannst du die Deckfarbe so dünn dosieren, dass sie nur ganz fein die übrige Farbe bedeckt. Schnell wirst du sehen, dass sich das darunterliegende Silikonöl an die Oberfläche drückt und die darunterliegenden Farben preisgibt.

Trotz des durchdringenden Silikonöls wirkt die Deckfarbe zu diesem Zeitpunkt sehr dominant. Daher kannst du auch stellenweise in die entgegengesetzte Richtung wischen, um die Dominanz ein wenig zu entkräften und das Bild vielseitig zu gestalten.

Swirl

Der Swirl ist eine Acryl Fließtechnik, die beim Ausgießen ein ruhiges Händchen und etwas Geschick erfordert.

Zuerst werden die einzelnen Farbmischungen nacheinander in einen gemeinsamen Behälter gekippt. Dann wird der Malgrund mit einer starken Farbe grundiert, die mit den anderen Farben des Bechers im Kontrast steht. Weiß bietet sich an.

Die grundierte Oberfläche wird nun mit den Farben des Behälters begossen. Hierbei musst du darauf achten, leicht kreisende Bewegungen mit der Hand auszuführen, um nach und nach einzelne Farbringe zu erhalten.

Wenn der Behälter leer ist oder du genügend Farbe ausgegossen hast, musst du die Oberfläche hin und her neigen, um die Farbfläche auszudehnen und die einzelnen Farbringe besser erkennbar zu machen.

Du kannst den Swirl mit oder ohne Zugabe von Silikonöl durchführen. Eine Idee ist es, Silikonöl ganz am Anfang in den Farbbehälter zu füllen, sodass es erst am Ende ausgegossen wird und nur Zellen im Zentrum der Kreise erzeugt.

String

Hierbei handelt es sich um keine Gießtechnik im engeren Sinne, die String- bzw. Faden-Technik kann aber trotzdem genutzt werden, um Fluid Art zu kreieren. Zunächst bereitest du die Farbmischungen in kleinen Dosierungen zu, bevor sie im Stile eines Dirty-Pours in einem gemeinsamen Becher miteinander vermischt werden.

Du kannst handelsübliche Kordel als Faden nutzen, die du während der Zubereitung der Farbmischung in den Becher hältst, damit sie möglichst viel deiner Rezeptur aufsaugen kann.

Alternativ kannst du die Farben auch in einzelnen Bechern zubereiten und sie voneinander separiert mit einem Farbspachtel auf die Kordel auftragen. Dadurch lässt sich später einfacher bestimmen, welche Farben wo auf dem Bild erscheinen sollen, allerdings fällt es dadurch auch schwerer, großflächige Farbverläufe zu erschaffen.

Der Keilrahmen wird mit einer kontrastreichen Acrylfarbe grundiert. Anschließend werden die mit Farbe vollgesaugten Kordeln so auf dem Bild platziert, dass sie sich hin und her schlängeln. Nun kannst du die Kordeln nacheinander nach außen hin über die Oberfläche ziehen. Durch ihre Windungen entstehen oft blatt-ähnliche Muster, deren Verlauf du beeinflussen kannst, indem du die einzelnen Fäden vorsichtig über die Maloberfläche gleiten lässt.

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Das Geheimnis für Zellen in deinem Bild

Während ein Bild geradezu mit Zellen übersät ist, entstehen bei einem anderen Pour gar keine. Hast du Probleme, bei der Fließtechnik Zellen zuverlässig zu erstellen? Der nächste Absatz ist für dich.

Es gibt drei Möglichkeiten, Zellen bei der Acryl-Fließtechnik zu erzeugen. Die erste Option basiert ausschließlich auf den physikalischen Gesetzen der Farbpigmente, die zweite macht sich Silikon zunutze, um die unteren Farben an die Oberfläche zu bringen und die dritte involviert offenes Feuer als letzten Ausweg.

1. Methode: Ein Puddle-Pour mit unterschiedlich dichten Farben

Die meisten Künstlerinnen und Künstler fangen direkt an mit Silikon herumzuprobieren, um Zellen herauszuarbeiten. Dabei basiert die ursprünglichste Form der Zellenbildung der Farbe nicht auf solchen Hilfsmitteln, sondern auf der Rayleigh-Taylor-Instabilität, einem Konzept der Fluiddynamik.

Demnach ist eine Flüssigkeit mit einer höheren Dichte instabil, wenn sie gegen eine darunterliegende Flüssigkeit niedriger Dichte beschleunigt wird. Im Fall von zwei unterschiedlich dichten Acrylfarben reicht die Gravitationskraft der Erde, damit die obenliegende dichte Flüssigkeit instabil wird.

Jede Acrylfarbe hat eine bestimmte Dichte, die sich aus ihrer Zusammensetzung aus Pigment, Bindemittel und Lösungsmittel ergibt. Traditionell ist Weiß eine extrem dichte Farbe, die in einem Puddle-Pour auf eine undichte Farbe gegossen werden kann (z.B. Schwarz). Dadurch sinkt schon nach wenigen Minuten die schwere Flüssigkeit hinab und das leichte Schwarz tritt an die Oberfläche. Das entstehende Zellenmuster, das bestehen bleibt, wenn die Farbe getrocknet ist, ist das direkte Ergebnis der Rayleigh-Taylor-Instabilität.

Tipp: Einige Hersteller von Acrylfarbe dokumentieren die Dichten ihrer Farben. Gegebenenfalls kannst du bei deinem Hersteller anfragen, ob solche Listen existieren und ob sie sie dir bereitstellen können. Da das Weiß meist wesentlich schwerer als alle anderen Farben ist, funktioniert der gewünschte Effekt damit normalerweise am deutlichsten.

2. Methode: Fluid Painting mit Silikonöl

Die durch die unterschiedlichen Farbdichten entstehenden Zellen sind für einen Puddle-Pour gut, was aber, wenn du eine andere Gießtechnik verwenden möchtest oder deutlichere Zellstrukturen erzeugen willst?  Wenn du einen Dirty-Pour gießt, wird die Farbe für eine Zellenbildung zu stark vermischt. Ohne die entsprechenden Hilfsmittel würdest du keine klaren Strukturen erkennen können.

Aus diesem Grund verwenden Künstler oft reines Silikonöl, aber auch andere Produkte auf Silikonbasis (z.B. einige Haarwaschmittel) können funktionieren. Das Öl wird in kleinen Beigaben in die Farbe gemischt und nur leicht verrührt. Anschließend werden die einzelnen Farbmischungen nacheinander in einen gemeinsamen Becher gekippt, den du in Form eines Dirty-Pours oder eines Flip Cups ausgießt.

Das durchsichtige Silikonöl verdrängt die wasserbasierte Acrylfarbe, sodass die unter dem Öl liegende Fabrschicht durchschimmert.

Wenn du die Farbenmischung auf dem Malgrund bearbeitest und von Seite zu Seite fließen lässt, wird dir auffallen, dass meistens nur vereinzelt Zellen entstehen. Wenn du die Swipe-Technik anwendest, kannst du aktiveren Einfluss auf die Gestaltung deines Fluid Paintings nehmen und das Silikonöl freilegen.

3. Methode: Dein Bild flambieren - Die Ultima Ratio

Wenn das Silikonöl allein nicht genügend Wirkung entfaltet hat und du bei deinem Werk nicht die Swipe-Technik anwenden willst, findest du eine weitere Methode, die gerne genutzt wird, um deutliche Zellen zu erzeugen.

Du kannst das Silikonöl an die Oberfläche ziehen, indem du mit einem Küchenbrenner dein Bild flambierst. Durch die Hitze der Gasflamme wird die obenauf liegende Acrylfarbe verpufft.

Achte darauf, dass du mit der Flamme einen Sicherheitsabstand zum Bild einhältst und sie ständig bewegst. Niemals solltest du den Brenner mehr als einen kurzen Augenblick auf eine Stelle halten, da du sonst einen Schaden in der Farbe oder gar einen Brand des Malgrundes riskierst.

Weniger ist auch hier mehr. Wenn du einen Bereich deines Bildes bearbeitet hast, solltest du beobachten, wie die Entwicklung vonstattengeht. Die anfangs kleinen Zellen wachsen über einen kurzen Zeitraum hinweg in ihrer Größe.

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Trocknungsdauer und Aufbewahrung

Acrylfarbe ist normalerweise für ihre äußerst kurzen Trocknungszeiten bekannt. Die Farbe trocknet gewöhnlicherweise schon nach wenigen Minuten oder wenigen Stunden, wenn du einen pastosen Farbauftrag wählst. Bei der Fließtechnik ist das anders.

Ein Fluid Painting wird mit extrem viel Farbe erstellt, die darüber hinaus sogar noch mit Bindemittel und Wasser verflüssigt wurde. Aus diesen Gründen ist es nicht verwunderlich, wenn dein Bild mehr als 24 Stunden braucht, um vollständig zu trocknen. Die Gegebenheiten des Raumes (Temperatur, Luftfeuchtigkeit), die Farbzusammensetzung und der Untergrund entscheiden über die Trocknungsdauer, die meist im Rahmen von 24 bis 48 Stunden liegt.

Achte darauf, dein Werk auf einem ebenen Untergrund trocknen zu lassen. Selbst kleinste Neigungen können ein noch feuchtes Fluid Painting über mehrere Stunden hinweg verzerren.

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Die Versiegelung der Oberfläche

Wenn du nach dem eigentlichen Gieß- und Trocknungsprozess dein Kunstwerk in den Händen hältst, bedarf es nur noch eines einzigen Schrittes, um die Qualität auch langfristig zu erhalten: Das Versiegeln der Oberfläche.

Die meisten Künstlerinnen und Künstler verwenden dazu zwei Optionen, die sich beide bewährt haben, um deinem Bild ein hochglänzendes Finish zu verpassen, das die fließende, "nasse" Optik sogar intensiviert.

1. Methode: Acryl-Schlussfirnis

Acryl-Glanzlack kann bei Acrylbildern als Schlussfirnis eingesetzt werden, um deren Oberfläche zu versiegeln und zum Strahlen zu bringen. Wieder bietet Liquitex eine hervorragende Option an, die sehr gut bei der Acryl Fließtechnik angewandt werden kann.

Die wesentlichen Vorteile des Glanzlacks sind die einfache Anwendung direkt aus dem Döschen und die gleichmäßigen Ergebnisse ohne Blasenbildung.

Nachteilig ist das Preis/Leistungs-Verhältnis der Lacke. Der hochglänzende Firnis von Liquitex mit einem Inhalt von 946ml ist im Vergleich zu anderen Glanzlacken zwar preiswert, im Vergleich zur 2. Methode jedoch recht teuer.

Je nachdem, wie groß dein Acrylic Pouring Bild ist, benötigst du zwischen wenigen Dutzend bis mehreren Hunderten Gramm Lack, um die gesamte Oberfläche zu versiegeln.  

2. Methode: Resin - Kunstharz

Resin ist die bessere Option, wenn du mittelgroße und große Bilder versiegeln willst oder du regelmäßig kleine Bilder versiegelst. Das Wort Resin ist Englisch und bedeutet auf Deutsch nichts anderes als "Harz". Im Bezug auf Fluid Paintings bezeichnet das Wort aber nicht alle Harze, sondern Kunstharz, genauer genommen Epoxidharz.

Das Epoxidharz wird immer gemeinsam mit einem Härter verwendet. Erst durch die Verbindung der beiden Stoffe kann die Mischung aushärten, nachdem sie aufgetragen wurde. Bewährte Resin-Härter-Bundles werden in verschiedenen Größen angeboten und sind heruntergerechnet auf das Gramm ein echtes Schnäppchen, verglichen mit dem Glanzlack.

Vorgehensweise: Du rührst die beiden Stoffe im richtigen Verhältnis und in der passenden Menge an (ca. 300 - 400g pro m² Bildfläche), gießt sie anschließend langsam über das Bild und streichst sie mit einem Spatel zu allen Seiten hin aus, um die gesamte Oberfläche gleichmäßig zu benetzen.

Je nach Qualität des Resin kann es zu leichter Blasenbildung kommen. Entweder du wartest ein wenig, ob die Luftbläschen von selbst verschwinden oder du hilfst vorsichtig mit dem Spatel nach. Am einfachsten klappt es mit einem Küchenbrenner, den du möglicherweise schon genutzt hast, um die Zellstruktur deines Bildes hervorzuheben. Schnelle Bewegungen der Flamme gepaart mit einem Sicherheitsabstand zur Bildoberfläche sorgen für eine wahrnehmbare Veränderung in Sekundenschnelle.

Die Vorteile des Resins liegen in einem unschlagbaren Preis/Leistungs-Verhältnis, dem großen Mengensortiment und der hochglänzenden Optik.

Nachteilig ist, dass du das Harzgemisch selbst anrühren musst.

Wenn du große Fluid Paintings gießt oder du nicht aufhören kannst, neue Bilder anzufertigen, wird kein Weg an Resin vorbeiführen.

  • Hiltrud de Homont-Dietrich sagt:

    Hallo, erst einmal ganz herzlichen Dank für diese tolle Erklärung auf Deutsch. Schon lange habe ich danach gesucht. Nun habe ich meinen X-ten Versuch gestartet und bin immer noch sehr enttäuscht. Vielleicht nehme ich aber auch die völlig falschen Farben. Wenn ich die Farben, das Medium, etwas Wasser in dem von Dir angegebenen Verhältnis mische, dann kann ich die Farbe niemals gießen. Auch wenn ich doppelt so viel Wasser nehme ist sie nur sehr zähflüssig. Auch bilden sich trotz Silikonspray keine Zellen oder nur ganz winzig kleine. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel wie ich das machen soll. Ich habe ganz normale Acrylfarbe gekauft. Zudem ein Medium dass genau dafür eigentlich richtig sein soll. Was mache ich falsch? Ich würde mich über eine Antwort und Hilfe sehr freuen. Vielen Dank

    • Lenny sagt:

      Vielen Dank für das Lob!

      Eins vorweg: Bei der Gieß- und Fließtechnik geht es viel ums Ausprobieren, bis man die richtigen Farben, Rezepturen und Mischungsverhältnisse gefunden hat – Du bist also auf dem richtigen Weg!
      Die Viskosität der Farbmischung sollte nach der Zubereitung in etwa flüssigem Honig entsprechen. Das erwähnte Rezept soll nur als Orientierung dienen, wurde allerdings schon mit Farben von Gerstaecker (Solo Goya) und Amsterdam getestet. Noch flüssiger (und teurer) sind die Fluid Acrylics von Golden.

      Bei hoch pigmentierten Farben ist es kein Problem den Anteil des Mediums zu erhöhen, um die Farbe zu verflüssigen. Manche Künstlerinnen und Künstler verändern das Mischverhältnis sogar bis hin zu 1/3 Farbe + 2/3 Medium und fügen anschließend so lange Wasser hinzu bis die Viskosität stimmt.

      An deiner Stelle würde ich erhöhte Anteile von Gießmedium in der Farbmischung ausprobieren.

      Bezüglich der Zellen: Oft spielt die Konsistenz der Farbmischung eine wichtige Rolle, damit das Silikon an die Oberfläche durchdringen kann. Außerdem sollte das Silikon kaum/nur leicht untergerührt werden, damit es sich nicht zu stark mit der Farbe vermischt.

      Ich hoffe das hilft dir ein wenig. Viel Spaß und viel Erfolg!

  • Meike sagt:

    Hallo
    Euer Artikel ist sehr gut und die Tipps wertvoll.
    Ich habe das Problem, dass sich die Leinwände verbiegen nach der Trocknung oder sich kleine Risse in der Farbe bilden. Wahrscheinlich sind die Leinwände nicht so saugfähig? Wieviel mg sollte ein Leintuch mindestens haben? Welche Leinwände und Hersteller könnt ihr empfehlen? Ich brauche sehr große Formate. Ca 150x200cm
    Danke schonmal für eure Hilfe
    Lg M

    • Lenny sagt:

      Hey Meike!

      Schön zu lesen – das freut mich.
      Rissbildung ist leider ein häufig beobachtetes Phänomen bei der Fließtechnik. Ich persönlich nutze die 3D Keilrahmen von Artina mit 380 g/m² für allerlei Malprojekte – auch für die Fließtechnik.
      Wenn du extra große Formate benötigst, solltest du darüber nachdenken, deine Rahmen selbst zu bauen. Mit ein paar Keilrahmenleisten (inklusive Querverstrebungen) und einer Leinwandrolle geht das ganz gut. Hier ist eine Anleitung dazu.

      Davon mal abgesehen muss die Ursache nicht unbedingt in der Leinwand liegen.

      Risse können beispielsweise durch zu dicke Farbe, zu schnelle Trocknung oder Unverträglichkeiten zwischen Silikonölen, Medien und Farben entstehen.
      Am besten wäre es, wenn du diese Faktoren der Reihe nach ausschließen kannst, indem du auf kleinen Formaten verschiedene Szenarien testest.

      Ich würde mich erst an die richtig großen Formate trauen, wenn ich mir sicher bin, dass es an der Leinwand liegt. Ansonsten wäre es schade um die doch recht teure Leinwand und die großen Farbmengen.

      Viel Spaß weiterhin beim Fließen!

  • Michael sagt:

    Hi, super geschrieben. Eine Frage zum Versiegeln mit Gießharz habe ich noch. Und zwar ist es so, dass das Silikonöl nicht verdunstet. Es bleibt an der Oberfläche des Bildes. Das Öl verdrängt auch das Harz, das ja eher dünnflüssig ist. Ist es daher ratsam das Silikonöl vor dem Versiegeln abzuwischen? Viele Grüße

    • Lenny sagt:

      Hey, klasse Hinweis, den ich so noch nicht erwähnt hatte.

      Ja, es ist äußerst ratsam das Öl vor der Versiegelung abzuwischen, genau aus dem von dir genannten Grund.

      Wenn die Acrylfarbe vollständig ausgehärtet ist, wird sie wasserfest.
      Daher bieten sich folgende Vorgehensweisen an, um das Öl zu entfernen:

      – Ggf. reicht schon ein Taschentuch, mit dem du das Öl einfach abwischst.
      – Alternativ dazu das Bild mit einem nassen Schwamm abwischen, der zuvor in eine warme Wasser-Spülmittel-Lösung getaucht wurde.
      – Alternativ dazu Mehl auf die relevanten Stellen des Pours streuen, kurz einwirken lassen und mit einem Pinsel abbürsten (ohne Wasser).

  • Michael sagt:

    Hi, super Erklärungen, vielen Dank.

    Bei mir klappt das alles ganz gut. Allerdings ist das Endergebnis eher ernüchternd.

    Ich lasse die Farben schön verlaufen, es bilden sich auch ausreichend Zellen und im nicht getrockneten Zustand sieht das Bild super aus.

    Ist das Bild trocken (im Keller, ca. 1 Woche langsam getrocknet), ist die Fläche sehr uneben und es scheint als wären da 1000de kleiner Bläschen.

    Nach dem Gießen habe ich mit einem Brenner die Bläschen entfernt, die Oberfläche sah fantastisch aus. Das Endergebnis ist im Detail eher grauenvoll. Ich habe mal mehr, mal weniger Silikon verwendet, selbes Ergebnis.

    Die Schichtdicke könnte eine Rolle spielen, allerdings mische ich die Farben auch eher dünn an (erster Versuche eher dick, aber auch kein anderes Ergebnis bzgl. Bläschen). Risse gibt es keine, daher gehe ich von einer positiven Trocknung aus.

    Woran kann das liegen? Farben sind von Kreul, Medium mal Liquitex, mal Floetrol, etwas Wasser beigemischt.

    Die Bilder sind ansonsten echt gut geworden, aber ich weiß nicht, wie ich die Blasenbildung beim Trocknen verhindern kann.

    Irgendeine Idee?

    Grüße
    Michael

    • Lenny sagt:

      Ist natürlich nur spekulativ aber vielleicht helfen dir folgende Ansätze:

      – Farbe nach dem Anrühren eine Weile ruhen lassen, damit die Luftblasen aus der Farbmischung an die Oberfläche steigen können. Je nach Viskosität kann das mehrere Stunden dauern.
      – Einen Tropfen Isopropanol in die Farbe geben, um die Bläschenbildung zu verringern (nicht selbst getestet).
      – Möglicherweise mögen sich Farbe und Medium nicht so gerne (Kreul Farben habe ich noch nie benutzt), wobei Floetrol und Liquitex eigentlich sehr unproblematisch in diesem Zusammenhang sind.

      • Michael sagt:

        So, kurzes Feedback. Es liegt wohl am Keilrahmen. Habe einen höherwertigen Rahmen benutzt, der sich auch vernünftig nachspannen lässt. Er hat die gleiche Grammatur, fühlt sich allerdings dicker an. Klappt nun wunderbar. Zum Üben war der günstige Rahmen allerdings ok.

  • Doris Windus sagt:

    Toll erklärt, ich werde es mir ausdrucken….

  • Thomas sagt:

    Ein sehr gut geschriebener Artikel über das Acrylic Pouring!

  • Johann Kremer sagt:

    Sehr interessant und lehrreich ich kann es kaum erwarten mit Acryl Pouring zu experimentieren Vielen Dank für die tollen Tips ! Liebe Grüße von Monika!

  • Kerstin sagt:

    Hallo,vielen Dank für die Tolle Seite sehr verständich geschrieben…
    mein Problem ist immer entweder zuviel oder zu wenig Farbe,wie kann ich es Berechnen z.b. 30×30 cm bräuchte ich wieviel Farbe?

    Danke schonmal für die Antwort

  • Teresa sagt:

    Hallo,

    MUSS das Acrylbild nach dem Trocknen unbedingt versiegelt werden, da es ja bereits trocken und wasserfest ist, oder ist es auch möglich das Bild unversiegelt aufzuhängen?
    Wenn ja, welche Nachteile bringt ein unversiegeltes Bild mit sich?

    Liebe Grüße

    • Lenny sagt:

      Hi Teresa,
      das Bild muss nicht versiegelt werden. Acrylfarbe härtet auch ohne Versiegelung lichtbeständig und wasserabweisend aus.

      Der wesentliche Vorteil eines versiegelten Bildes ist der, dass die Farben ihre Tiefe zurückerhalten, die sie durch das Trocknen verlieren. Dann sieht man nicht mehr die Textur der Leinwand durch die Farben und die Farben sehen so aus, als wären sie noch flüssig/nass, was bei dieser Technik für einen netten, lebendigen Effekt sorgt.

      Liebe Grüße!

  • Julia sagt:

    Was für einer Verschwendung und Umweltbelastung …. da tut mir das Herz weh wenn ich sowas sehe

  • Ivonne sagt:

    Huhu, vielen Dank für diesen tollen informativen Beitrag. Klasse Beitrag !

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