Anleitung zum Formenbau – Gießformen selber machen

Eine Gießform ist ein negativ einer Skulptur, eines Modells oder eines Reliefs. Sie kann genutzt werden, um das Original mit all seinen Details zu reproduzieren. Ziel ist es normalerweise, mit einer Gießform das Original exakt, also 1:1 zu reproduzieren. Dabei bestehen Gießformen aus unterschiedlichen Materialien und werden für den Abguss unterschiedlicher Materialien verwendet.

Gießformen kannst du online kaufen oder selber machen. Während gekaufte Formen sicher gut sind für einfache Standardmotive, ist es irgendwann unabdingbar, die Kunst des Formenbaus zu meistern, wenn du eigene Formen für eigene Skulpturen benötigst. 

Aber der Reihe nach: In diesem Artikel widmen wir uns allen Facetten der Gießformen und des Formenbaus: Von den unterschiedlichen Materialien bis hin zur selbst gebauten Form.

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Wofür werden Formen verwendet?

In der Industrie werden Gießformen für alles mögliche verwendet. Du kannst dir kaum vorstellen, welche Produkte in eine Form gegossen wurden, bevor sie bei dir gelandet sind.

  • Fossile werden in Formen gegossen, um ein identisches Abbild zu erhalten.
  • Kerzen werden in eine Vielzahl unterschiedlicher Formen gegossen, um bestimmte Dicken und Längen zu erhalten.
  • Letztlich wird sogar der Kuchenteig in eine Gießform gekippt, damit er im Ofen ausreichend Halt hat und aufbacken kann. 

In diesem Artikel soll es aber nicht um Kuchenrezepte für den nächsten Schokokuchen gehen, sondern um die Herstellung und die Verwendung von Formen für die Bastelei, den Modellbau und die Keramik.

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Material für den Formenbau

Gegossen wird bereits seit einigen Jahrtausenden. Vor allem im antiken Ägypten und in China war die Gießerei eine gängige Praxis, um unterschiedlichste Güter herzustellen. Damals bestanden die Formen noch aus Sand-, Wachs- oder Lehmkonstrukten.

Heutzutage geht es bei der Herstellung der Formen etwas professioneller zu. Je nach Verwendungszweck ist Glasfaserkunststoff, Silikon, Latex, Gips oder Metall das Material der Wahl für Formenbauer weltweit.

Einige Materialien im Überblick:

Silikon/Abformsilikone

Silikon ist ein Zwei-Komponenten-Werkstoff, der in unterschiedlichen Festigkeiten angeboten wird. Silikonformen sind extrem vielseitig einsetzbar. Sie lassen sich als Gießform verwenden, mit Pinseln auf das Original auftragen oder mit einem Sprühgerät aufsprayen.

Vorteile von Silikon

  • Beste Trenneigenschaften vom Positiv
  • Meist kein Trennmittel benötigt
  • Höhe Temperaturbeständigkeit
  • Sogar zum Befüllen mit Gießharz geeignet

Nachteile von Silikon

  • Recht hochpreisig 
  • Genaue Zubereitung beider Komponenten erforderlich
  • Sehr dickflüssig/Nicht so leicht zu gießen

Latex

Latex ist Naturkautschuk, der aus Kautschukbäumen gewonnen wird - hauptsächlich in Südostasien. 

Damit dieser Kautschuk auch für den Fomenbau verwendet werden kann, wird das Rohmaterial meist mit Ammoniak und Wasser vermischt. Latex wird in erster Linie als Laminiermittel im Formenbau eingesetzt.

Vorteile von Latex im Formenbau

  • Einkomponentenmaterial/Kein Wiegen notwendig
  • Ziemlich resistent gegen Umwelteinflüsse
  • Hohe Trennfreudigkeit vom Positiv
  • Recht preiswert

Nachteile von Latex

  • Viele Schichten nötig beim Laminieren
  • Oft minderwertige Produkte mit hoher Schrumpfung und Ammoniakgeruch (nicht immer)
  • Verträgt sich nicht mit Gießharzen

Glasfaserkunststoffe

Glasfaserverstärkte Kunststoffe sind die beste Wahl, um professionelle Formen mit einfachen Mitteln herzustellen. Das angewandte Verfahren wird auch Handlaminat genannt.

Bei diesem GFK Formenbau werden die Grundkörper zunächst in ein Trennmittel gehüllt, damit sich die fertige Form später ablösen lässt. Anschließend wird ein Gelcoat aufgetragen und für 2 bis 4 Stunden trocknen gelassen.

Wenn sich diese Schicht gefestigt hat, werden in Kunstharz getränkte Glasfasermatten auf den Grundkörper gepresst und mit einem Rollwerkzeug verstrichen. Dazu wird gewöhnlicherweise Polyesterharz oder Epoxidharz verwendet, da sie das Bindemittel in den Glasfasermatten auflöst. Mehrere Lagen dieser Matten werden benötigt, um eine stabile Form zu gießen. Je nach Größe, Gewicht und Beschaffenheit des Grundkörpers sind vier bis acht Lagen notwendig.

Vorteile des GFK Formenbaus

  • Hochwertige, kantenfeste Form für sehr große Teile
  • Für den professionellen Einsatz geeignet (z.B. Fahrzeugtuning)
  • Herstellung von Faserverbundteilen möglich
  • Viele Materialmischungen sind denkbar

Nachteile des GFK Formenbaus

  • Aufwendige Prozedur
  • Teilweise hohe Schrumpfung (Epoxidharz-Glasfaser-Verbund)
  • Teilweise geringe Nachbearbeitungsmöglichkeiten (Alu-/Stahl-Glasfaser-Verbund)

Gipsform

Schlickerguss Gipsform

Foto: zjuzjaka / Shutterstock.com

Im Gipsguss wird das Modell in einen Formenkasten gelegt, bevor der Gips über das Modell gegossen wird. Gegebenenfalls wird dazu ein Trennmittel verwendet, damit sich das Modell später entnehmen lässt. Diese Apparatur wird so lange geschüttelt bis der Gips in jeden kleinen Spalt und jede Ecke der Vorlage eindringt. Sobald die Gipsform getrocknet und gehärtet ist, kann das Modell gelöst werden. Achte darauf, die Form so aufzubauen, dass sich das Original entnehmen lässt.

Die ausgehärtete Gipsform kannst du verwenden, um sie beispielsweise mit Schlicker zu füllen. Vor allem keramische Produkte gelingen in einer Gipsform.

Vorteile einer Gipsform

  • Einfach selbst herzustellen
  • Perfekt geeignet für keramische Erzeugnisse
  • Enorm preiswert

Nachteile

  • Geringe Verträglichkeit mit Chemikalien
  • Aufwendiger Trocknungsprozess

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Gießformen kaufen oder selber machen?

Viele Bastlerinnen und Bastler fragen sich, ob sie sich eine Form kaufen oder doch lieber selber machen sollen. Vorgefertigte Formen sind standardisiert. Pro Form kannst du exakt ein Motiv gießen. Daher eignen sich solche Formen hervorragend für Standard-Motive. Wenn du einen Stern, einen Tannenbaum oder einen Frosch gießen willst, solltest du dich nicht unnötigerweise mit der Herstellung der Form aufhalten.

In diesem Fall stehen die Kosten und der Aufwand einer selbst gemachten Form in keiner Relation zu den industriell gefertigten Formen, wie du sie beispielsweise online kaufen kannst.

Der Aufwand lohnt sich erst, wenn du ein besonderes Motiv gießen willst, dass es in dieser Form nicht zu kaufen gibt. Beherrschst du das Handwerk, sind die Möglichkeiten beinahe endlos, sofern du weißt, wie du vorgehen sollst.

Und genau das sehen wir uns in folgendem Abschnitt an:

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DIY Formenbau für Einsteiger

Silikonform gießen

Foto: Akulinina / Shutterstock.com

Gerade am Anfang sollten wir uns auf die Grundlagen konzentrieren. Daher sind zunächst vor allem diese Formen interessant:

  • Einteiler
  • Zweiteiler

Dreiteilige Formen oder solche, die sogar aus noch mehr Teilen bestehen, bedürfen eines tiefergehenden Verständnisses des Formenbaus.

Ziel dieser Anleitung

Während es eine Vielzahl von Formenbautechniken gibt, um die verschiedenen Modelltypen und Materialien anzuwenden, werden wir uns in dieser Anleitung auf besonders einfache Technik konzentrieren: Eine einteilige Form für flache Modelle ohne Hinterschneidung.

Benötigte Materialien

  • Ein geeignetes  Abformsilikon
  • Modell ohne Hinterschneidung
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    Holzspatel zum Umrühren
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    Laminat oder anderes dickes beschichtetes Material als Unterseite des Formenrahmens
  • Bastelglas zur Herstellung des Formenrahmens
  • chevron-right
    Cutter und/oder Zange
  • chevron-right
    Schere
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    Reiskörner
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    Heißklebepistole/Sekundenkleber
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    Trennmittel wie Speiseöl oder Spray-Öl

 Hinterschneidungen verstehen

Hinterschneidungen sind alle hervorstehenden Elemente eines Modells, die beim Anheben der Gussform im Weg sind. Hinterschneidungen können am einfachsten umgangen werden, wenn du ein Modell aussuchst, das keine überstehenden Elemente besitzt. Ein anderer Weg, die Hinterschneidung zu vermeiden, besteht darin, die Form zu teilen oder die Teilung zu verändern.

Während kleinere Hinterschneidungen für unsere Anleitung kein Problem sind, spielt es in einem festen Formmaterial ein ernstzunehmendes Problem dar. Glücklicherweise sind Silikonformen ziemlich flexibel, sodass kleinere Hinterschneidungen die Form beim Herauslösen nicht beschädigen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  • 1
    Das zu umformende Modell wird auf das Laminat gelegt. Wenn deine Form offen/hohl ist, solltest du sie mit einem Ton oder einer anderen Modelliermasse füllen oder ihre Löcher mit einer Heißklebepistole stopfen. Es kann nämlich sein, dass das Silikon beim Eingießen in die Form läuft und ihre Position verändert. Falls du eine geschlossene Form verwendest, hast du dieses Problem nicht. Fixiere die Form mit ein bis zwei Tropfen Sekundenkleber an der Oberfläche. 
  • 2
    Jetzt wird der Formrahmen drumherum gebaut. Aus Bastel- bzw. Acrylglas kannst du die vier Seitenlängen und -breiten mit einem Cutter herausschneiden. Dazu misst du zunächst die Länge und Breite deines liegenden Modells. Anschließend solltest du mindestens 2 Zentimeter Toleranz pro Seite gewähren, damit die Seitenwände der späteren Form dick genug werden. Die vier Wandungen werden an ihren Kanten verklebt und wie eine Wand oder einen Zaun um die Form gesetzt. Anschließend wird der Rahmen mit dem Untergrund, dem Laminat, verklebt.
  • 3
    Klasse - Das Modell klebt am Untergrund auch auch der Formenrahmen steht und klebt schon. Nun geht es darum, zu bestimmen, wie viel des Silikons du für die Form benötigst. Dazu füllst du beispielsweise Reiskörner in den Rahmen. So hoch, dass das Modell rund 1 cm hoch bedeckt ist, damit die Wand nicht zu dünn wird. Anschließend wird der Reis ausgekippt und gewogen. Das Gewicht des Reises kannst du auf das Gewicht des Silikon übertragen. Meist werden die beiden Komponenten des Silikons im Verhältnis 1:1 angerührt.
  • 4
    Sprühe oder pinsel die Form kurz mit ein wenig Speiseöl ein. Obwohl Silikon normalerweise keines Trennmittels bedarf, ist es für den Anfang besser, ein Öl zu verwenden. 
  • 5
    Anschließend gießt du das flüssige Silikon in den Formrahmen. Achte darauf, die Masse langsam zu gießen, um Luftblasen zu vermeiden.
  • 6
    Lasse jetzt die Form sich setzen. Achte darauf, dass die Raumtemperatur nicht unter 18°C liegt, da das Silikon ansonsten sehr langsam trocknet. Warte, bis die Form vollständig getrocknet und "gehärtet" ist.
  • 7
    Nachdem sich das Silikon gesetzt hat uns die Masse nicht mehr flüssig ist, solltest du sie aus dem Rahmen befreien. Mit einem Cutter oder einer Zange entfernst du den Plastikrahmen.
  • 8
    Wasche einmal über die Gießform und entferne ggf. überstehende Ecke und Kanten. Danach sollten alle Materialreste entfernt worden sein.

Eine ähnliche Vorgehensweise findest du in diesem Video:

Den Silikonformenbau und die Feinheiten erklärt diese Videoserie:

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