Graffiti lernen – 5 Hilfreiche Tipps für Einsteiger

Das Graffito ist wohl so alt wie die Schrift selbst. Das italienische Lehnwort für „Schraffur“ geht etymologisch auf das griechische γράφειν (graphein) zurück, was so viel wie „schreiben“ oder „zeichnen“ heißt.

Bereits im Alten Ägypten lassen sich Einkerbungen und andere Wandverzierungen nachweisen. Gemeint sind jedoch nicht die prunkvollen Gemälde sowie Hieroglyphen in den Grabanlagen der Pharaonen, sondern Einritzungen von ganz normalen Leuten, die auf diese Weise Wünsche, Gebete oder Schwüre zum Ausdruck gebracht haben. Wenn wir heute an Graffiti denken, haben wir sofort Writer und Street Artists mit Spraydose vor Augen. Dabei gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten, Graffiti an die Wand zu bringen.

Du suchst nach kreativen Ausdrucksformen im urbanen Raum und willst die Kunst des Graffiti lernen? Nachfolgend findest du einen Überblick über die unterschiedlichen Graffiti Styles.

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Style Writing und Stencil mit der Spraydose

Stencil, die Graffiti-Kunst in Schablonentechnik, hat vor allem durch den britischen Street Artist und Aktivisten Banksy weltweiten Ruhm erlangt. Dabei werden sowohl Motive als auch Schriftzüge zunächst als Schablone vorbereitet – zumeist aus strapazierfähigem Kunststoff oder festem Karton. Großflächige Werke werden für mehr Stabilität auf einem Gerüst aus Maschendrahtzaun befestigt.

Während Stencils einige Zeit in der Vorbereitung – beim Erstellen der Schablone – beanspruchen, geht das eigentliche Auftragen des Motivs schnell von der Hand.  

Banksy Lookalike

Ein Stencil à la Banksy. Oft optisch recht einfach, dafür mit besonderem bildlichen Tiefgang.

Das Motiv der Schablone wird dabei mithilfe von Spraydose, Pinsel oder im Airbrush-Verfahren auf den jeweiligen Untergrund aufgebracht. Beim sogenannten Reverse Graffiti trägst du keine Farbe auf, sondern entfernst, beispielsweise mit einem Hochdruckreiniger, den Schmutz von einer Fassade durch eine Schablone hindurch.

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Von der Kalligrafie zum Tagging

Style Writing und Tagging stehen in engem Zusammenhang mit der Kalligrafie, der Kunst des Schönschreibens. Statt mit breiter Feder, Tuschestift oder Kugelschreiber bewusst verschnörkelte Linien aufs Papier zu bringen, bilden beim Taggen und Style Writing Fassaden, Karosserien, Laternenmasten und andere Gegenstände den Untergrund für deine verschriftlichten Gedanken.

Style Writing

Was leicht aussieht, ist in Wirklichkeit gar nicht leicht. Auch diese Schrift fällt unter das Style Writing.

Bevor es jedoch ab nach draußen geht, gilt es, wie bei der Kalligrafie, die eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren. Sketchen, also das Anlegen eines Skizzenbuchs, gehört daher genauso zum Alltag eines Style Writers wie das Hinterlassen von Spuren in der Öffentlichkeit. Papier bietet einen sicheren Übungsraum für angehende wie auch erfahrene Graffiti-Schreiber, um Techniken auszuprobieren und deinen eigenen Style zu finden.

Hättest du's gewusst? Die bunt verzierte Berliner Mauer, die fast dreißig Jahre lang Ost- von Westberlin voneinander abriegelte, war das größte Graffiti-Werk der Welt.

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Graffiti lernen: Schritt für Schritt zum eigenen Schriftzug

Style Writing von A bis Z beginnt unweigerlich mit der Arbeit am Alphabet. Während du Buchstaben im Alltag ansonsten mit einfachen Strichen zu Papier bringst, besteht ein Graffiti-Letter aus Balken oder Kästen. Dazu verwandelt sich jede Linie, sowohl waagerecht als auch senkrecht, in ein Rechteck.

  • 1
    Mit einem Bleistift entwirfst du hierzu das kantige Grundgerüst deines Buchstabens.
  • 2
    Den Letter kannst du an allen Ecken und Enden nach Belieben verändern, solange dabei das Grundgerüst des Buchstabens intakt bleibt.
  • 3
    Versuche einzelne Balken geschwungen zu zeichnen, die Enden spitz zulaufen oder weit auseinander laufen zu lassen
  • 4
    Bist du zufrieden mit dem Erscheinungsbild, werden alle überflüssigen Linien, die du lediglich zum Skizzieren benötigt hast, wegradiert.
  • 5
    Ziehe die fertigen Konturen mit einem Tuschestift, Kugelschreiber oder Marker gut sichtbar nach. Fertig ist dein erster Buchstabe im Graffiti-Stil. Probiere immer neue Formen aus und sketche regelmäßig, um möglichst schnell Graffiti zu lernen.

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Bubble, Blockbuster und andere Writing Styles im Überblick

Bauchige, runde Buchstaben, die an Kaugummi- oder Seifenblasen erinnern, zeichnen den Bubble Style aus. Dabei fließen die Buchstaben häufig ineinander oder überlappen sich. Lediglich die gewölbten Außenkonturen hebst du bei diesem Stil deutlich hervor.

Auf Abstand gehen die Lettern beim Blockbuster Style. Die überdimensionalen Buchstaben werden als Wandgemälde aufgesprüht oder mit dem Farbroller ruckzuck auf Zugwaggons und andere Gegenstände aufgetragen.

Blockbuster Style Hochzeit

Überdimensionale Buchstaben, die eine Message versprühen. Ein klarer Fall eines Blockbuster Styles

Mit einem speziellen Aufsatz für die Spraydose bringst du fette (Groß-)Buchstaben – Fat Cap – auf den Untergrund. Die Farbe strömt dabei in einer breiten Bahn aus der Spraydose, um für starke Konturen oder gut sichtbare Tags zu sorgen. Diese Technik geht auf den Graffiti Artist Superkool 223 zurück, der damit in den 1960er und 1970er Jahren besonders breite Schriftzüge in New York City gesprüht hat.

Fortgeschrittene Writer begnügen sich nicht damit, Buchstaben in ausgefallene Formen zu gießen: Sie ergänzen den individuell geformten Buchstaben um zusätzliche Ornamente. Das Fertigen solcher Buchstaben mit ausladenden Verzierungen wird unter dem Begriff Wildstyle zusammengefasst. Durch die zusätzliche Ausschmückung wird die Lesbarkeit des Buchstabens allerdings stark eingeschränkt. Umso cooler sind diese Lettern jedoch anzusehen – nicht zuletzt deshalb, weil du dich beinahe uneingeschränkt austoben kannst, um so deine persönliche Handschrift im Graffiti Style zu finden.

Wildstyle Graffiti

Ein dreidimensionales Graffiti im Wildstyle mit optischen Glanz- und Blitzeffekten und Farbverläufen

Weitere anerkannte Stile arbeiten mit abstrakten Formen, optischen Täuschungen und 3D-Effekten. Wenn du jedoch gerade erst mit dem Graffiti lernen begonnen hast, solltest du es langsam angehen lassen. Perfektioniere die Basics, bevor du dich an Wildstyle, abstrakte Gebilde und 3D-Werke heranwagst.

Übrigens: Neben Spraydose und Farbeimer kannst du auch mit der Kraft der Natur Graffiti an die Wand bringen. Moos-Graffiti liegen voll im Trend, um dem Grau der Betonwüste etwas Grün gegenüberzustellen.

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Ist das Kunst oder kann das weg?

Seit jeher bewegt sich die Graffiti-Kunst im Spannungsfeld von Kunstfreiheit und Sachbeschädigung. Werden Spuren auf fremdem Eigentum hinterlassen – dazu zählen U-Bahnwaggons genau wie Hausfassaden –, handelt es sich um eine Straftat, die nach polizeilicher Anzeige verfolgt werden kann.

Immer mehr Städte versuchen dem Vandalismus daher durch die Freigabe von Sprühflächen vorzubeugen. Tief verankert in der Subkultur besteht für Sprayer der Reiz jedoch genau darin, möglichst schwer zugängliche Flächen mit dem persönlichen Tag zu versehen.

Als ungeschriebenes Gesetz der Writing-Szene gilt jedoch: Private Fahrzeuge, historische Gebäude sowie Denkmäler und Grabsteine werden von Marker, Spraydose und Schablone ohnehin verschont.

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