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Die Milchstraße sehen und fotografieren

Die im ersten Teil unseres Astrofotografie-Tutorials beschriebenen Aufnahmen fassen oft die Milchstraße ins Bild. Dabei liegt die Erde selbst inmitten der Milchstraße und doch kann die Milchstraße in bandähnlicher Form auf der Kamera festgehalten werden.

In dieser Anleitung erfährst du, wie du die Milchstraße sehen kannst: Wie du sie am besten lokalisierst und wann der perfekte Zeitpunkt zur Milchstraßen-Fotografie ist.

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Interessantes zur Milchstraße

Milchstraße

Die Milchstraße ist die Muttergalaxie der Erde, die insgesamt rund Einhundertmilliarden Sterne beinhaltet. Die Ausdehnung der Milchstraße wird auf 100.000 bis 120.000 Lichtjahre geschätzt. Verglichen mit dem gesamten beobachtbaren Universum ist die Milchstraße allerdings winzig. Sie ist nur eine von mindestens Einhundertmilliarden Galaxien.

Wenn man davon spricht, die Milchstraße sehen zu können, wird in der Astrofotografie lediglich das Zentrum der Galaxie gemeint, da alle mit dem eigenen Auge beobachtbaren Sterne innerhalb der Milchstraße liegen.

Das Zentrum der Galaxie allerdings fällt durch seine Nebelschleier und Sternhaufen auf, die in diesem Gebiet verdichtet sind. Wir nehmen das Zentrum der Milchstraße deshalb als milchiges, nebelähnliches Band wahr. Um die Milchstraße zu sehen, bedarf es keines Teleskops oder sonstigen Hilfsmitteln. Viel wichtiger sind die nachfolgend vorgestellten Bedingungen.

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Die geeignete Jahres- und Tageszeit

Die Milchstraße lässt sich nicht das ganze Jahr über mit dem eigenen Auge sehen oder mit einer Kamera fotografieren. Auf der Nordhalbkugel ist die Zeit zwischen Mitte März bis Mitte Oktober geeignet, um die Milchstraße zu sehen.

Von November bis Ende Januar liegt das das Zentrum der Milchstraße von der Erde aus in der Nähe der Sonne, die zu viel Licht aussendet und uns bei der Suche nach der Milchstraße zu stark blendet.

Aber auch in der Zeit zwischen März und Oktober gibt es Unterschiede:

  • Von März bis Mai ist die Milchstraße erst kurz vor Sonnenaufgang sichtbar.
  • Von Juni bis August herrschen die besten Konditionen. In dieser Zeit ist sie fast die ganze Nacht sichtbar.
  • Von September bis Oktober ist die Milchstraße dagegen direkt nach der Dämmerung für wenige Stunden sichtbar.

Die Dämmerung kann den Himmel über 2 Stunden aufhellen oder abdunkeln, bis es schließlich komplett hell oder dunkel ist. Du solltest mit der Suche der Milchstraße erst nach vollständig abgeschlossener Dämmerung am Abend und vor Einbruch der Dämmerung am Morgen beginnen.

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Der Einfluss der Erdrotation

Erdrotation Beispiel

Die Rotation der Erde um die eigene Achse ist der Grund dafür, wieso sich Sterne an unserem Nachthimmel zu bewegen scheinen. Allerdings benötigt die Erde für eine vollständige Umdrehung keine vollen 24 Stunden, wie sie unser Kalender vorgibt, sondern exakt 23 Stunden, 56 Minuten und 4,091 Sekunden.

Dieser Differenzbetrag sorgt dafür, dass sich der von uns beobachtbare Nachthimmel pro Tag um um 3 Minuten und 55,9 Sekunden verändert. Dadurch verändert sich im Laufe des Jahres auch der Ausschnitt des Nachthimmels, den du siehst.

Auf den Monat gerechnet summiert sich eine Differenz von fast 2 Stunden (~ 4 Minuten/Tag * 30 Tage). Das bedeutet, dass du nach einem Monat einen Ausschnitt der Nacht sehen wirst, der sich um rund zwei Stunden verschoben hat im Vergleich zum Vormonat.

Die Erdrotation erklärt demzufolge auch, wieso sich die Sichtbarkeit der Milchstraße im Laufe des Jahres verändert.

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Örtliche Einflüsse

Um ein klares Bild der Milchstraße sehen und festhalten zu können, bedarf es einer möglichst geringen Lichtverschmutzung. Mit dem Begriff der Lichtverschmutzung ist die Aufhellung des Nachthimmels gemeint, die durch künstliche Lichtquellen, vor allem in Städten und Ballungsgebieten, entsteht.

Damit du nachvollziehen kannst, wie stark die Lichtverschmutzung in West- und Mitteleuropa ist, sieh dir folgende Karte an: http://darksitefinder.com/maps/world.html

Nur im Norden Deutschlands und in Österreich finden sich wenige Regionen, die eine geringe Lichtverschmutzung aufweisen. Eine Zone gänzlich frei von Lichtverschmutzung findet sich erst im Balkangebiet, in Osteuropa, in Skandinavien oder im Norden Schottlands.

Wenn du kein blau gekennzeichnetes Gebiet in deiner Nähe findest, solltest du zumindest eine grüne Zone ausfindig machen, um ein weitestgehend unbeeinträchtigtes Bild der Milchstraße sehen zu können.

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Standortfaktor: Breitengrad

  • Je weiter im Norden, desto schwieriger wird es, die Milchstraße zu sehen.

Selbst in ihrem höchsten Punkt innerhalb einer Nacht wird sie nur am südlichen Horizont auftauchen aber niemals hoch über dir stehen. Dazukommt, dass die wenigen Sommermonate, die im Norden zur Milchstraßensichtung von der Position her geeignet wären, extrem helle Nächte sind, da die Sonne nur kurz untergeht und es auch nachts oft noch dämmrig ist.

Über 55° nördlicher Breite ist die Sicht auf die Milchstraße demzufolge kaum noch möglich. Empfehlenswert ist sogar eine Aufnahme unter 50° Nördlicher Breite.

  • Je weiter südlich, desto höher steigt das Sternbild Schütze auf, in den das galaktische Zentrum der Milchstraße einzuordnen ist.

Auf der Südhalbkugel sind die genannten idealen Monate zur Milchstraßenbeobachtung genau umgekehrt zu denen auf der Nordhalbkugel.

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Mondphasen einplanen

Mondphasen einplanen

Genauso wie die Sonne beeinflusst auch der Mond und seine Helligkeit dein Resultat. Ein Vollmond reflektiert zu viel Sonnenlicht zur Erde, sodass die gesamte Nacht zu hell wird. Ein Neumond ist ideal für die Beobachtung der Milchstraße aber auch die Phasen um den Neumond sind durchaus interessant.

Bedenke, dass der Mond in den unterschiedlichen Mondphasen unterschiedlich früh bzw. spät am Himmel zu sehen ist und wieder verschwindet. Am besten sind die Phasen der Nacht, an dem der Mond noch nicht oder nicht mehr zu sehen ist.

Mithilfe von unterschiedlichen Online-Tools kannst du binnen Sekunden deinen Standort eingeben und erhältst alle relevanten Daten, wann die Sonne untergeht und wann der Mond aus welcher Richtung aufgeht.

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Hilfreiche Apps und Tools

Es gibt eine ganze Reihe Apps, mit denen du den Nachthimmel durchforsten kannst.

Die wohl beste, ausführlichste und ansehnlichste App hört auf den Namen Sky Guide. Die App ist sowohl für iOS als auch Android erhältlich, wobei die Bewertungen im Google Play Store daraufhindeuten, dass die App nicht optimal auf einigen Android-Geräten funktioniert.

Für Apple-User ist diese App jedoch das Non-Plus-Ultra eines jeden begeisterten Hobby-Astronomens und geht weit über die Funktion, das Zentrum der Milchstraße zu lokalisieren, hinaus.

Hier eine Demonstration der App:

Für Android-Nutzerinnen und Nutzer ist Stellarium die beste Option. Die App funktioniert gut, bietet allerdings weniger Informationen und weniger Veranschaulichungsmaterial als Sky Guide.

Stellarium ist für Android-Geräte kostenpflichtig erhältlich oder kann auch als Desktop-Version an einem Computer genutzt werden.

  • Benny sagt:

    Danke für den tollen Artikel. Bin wieder um einiges schlauer geworden 🙂
    Ein kleiner Hinweis: Unter Punkt 4 “Örtliche Einflüsse” hat sich ein Fehler eingeschlichen. Anstatt Lichtverschmutzung kommt einmal der Begriff Luftverschmutzung vor.
    Schöne Grüße,
    Benny

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