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Polymer Clay und FIMO Anleitung – 10 Tipps zum Modellieren

In Deutschland aber vor allem in den USA nimmt der Hype um Polymer Clay kein Ende, da die Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung sind beinahe unendlich sind:

  • Die einzelnen Farbpäckchen lassen sich miteinander zu neuen Farben mischen. Dadurch steht den Künstlerinnen und Künstlern ein komplettes Farbspektrum zur Verfügung ähnlich der Malerei.
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    Unterschiedliche Hersteller von Polymer Clay lassen sich miteinander kombinieren, falls du eine bestimmte Konsistenz benötigst.
  • Es gibt eine immense Bandbreite an winzigen Zubehörartikeln, die jedes Modell und jede Szenerie aufpeppen können.
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    Durch Kombination mit anderen Materialien (z.B. Resin – ein Kunstharz) kannst du verblüffende Illusionen erschaffen.

Hört sich gut an? Dann halten die folgenden Zeilen alles bereit, was du für den gelungenen Einstieg in die Bastelei und die Modellierung mit Polyclay benötigst: Die benötigten Materialien, eine genaue Anleitung zur Bearbeitung sowie Ursprünge und Hersteller beliebter Polymer Clays.

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Polymer Clay/Fimo Anleitung

Polymer Clay (deutsch, frei übersetzt: Polymer Ton), kurz Polyclay, ist eine Modelliermasse bestehend aus einer Polyvinylchlorid-Basis (PVC), die mit Weichmachern elastisch und mit Farbstoffen gefärbt wird.

Die Masse beinhaltet keine Ton-Partikel wie es der Name vermuten lassen würde, sondern ausschließlich Kunststoff-Partikel, sodass das fertige Modell bereits im heimischen Ofen bei recht niedrigen Temperaturen gebacken werden kann, um es aushärten zu lassen. Da die Konsistenz von Polymer Clay ähnlich der von Knete ist, bezeichnen manche Künstlerinnen von Künstler den Werkstoff als „die bessere Knete“.

Jede Anleitung zu Polymer Clay kann in drei Bearbeitungsschritte aufgeteilt werden, die immer ausgeführt werden.

Die drei Bearbeitungsschritte lauten:

  • Vorbereitung der Modelliermasse
  • Bearbeitung und Ausformung
  • Brennen und Aushärten lassen

Die Schritte "Nachbearbeitung" und "Versiegelung" dieser Fimo Anleitung können angewendet werden, müssen aber nicht unbedingt, um ein hervorragendes Ergebnis zu erzielen.

Die genaue Ausführung der einzelnen Schritte richtet sich nach dem Werkstoff und dem Objekt, das du modellieren möchtest.

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Benötigte Materialien

Im Grunde genommen ist die Bastelei mit Polymer Clay keine schwierige Angelegenheit. 

Für den Einstieg in die Welt der Modelliermassen benötigst du nur:

Da Fimo ein sehr ausgeglichener Polymer Clay für eine Vielzahl von Modellierungszwecken und hierzulande die wohl beliebteste Marke von Polymer Clay ist, dienen folgende Zeilen als Fimo Anleitung.

Die unterschiedlichen Hersteller von Polymer Clay werden gegen Ende dieser Anleitung diskutiert, falls du nach einer Alternative zu Fimo von Staedtler suchst.

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Vorbereitung der Fimo-Masse

Frisch aus der Packung ist die Fimo-Masse noch ziemlich fest in ihrer Konsistenz. Deshalb muss das benötigte Stück erst einmal gründlich durchgeknetet und aufgeweicht werden. Durch die Wärme der Hände und das Durchkneten der Masse wird die Substanz gelockert, sodass sie weich und formbar wird. Um Fimo durchzukneten eignen sich mehrere Vorgehensweisen.

  • Am einfachsten ist sicherlich das Durchkneten per Hand. Das benötigte Stück wird zwischen den Händen gerollt und gedrückt, bis es weich genug ist, um es weiterzuverarbeiten.
  • Für gerade und ebene Oberflächen ähnlich einer Platte sollte ein Rollstab genutzt werden. Einige Hersteller von Polymer Clay bieten feine Roller aus Acrylglas an, um besonders makellose Oberflächen auszurollen.
  • Sofern eine Fimo Anleitung zu einem bestimmten Objekt größere Mengen an Modelliermasse erfordert oder du regelmäßig mit Fimo bastelst, solltest du über die Anschaffung einer Nudelmaschine nachdenken. Durch die Teigwalzen der Maschinen lassen sich nicht nur feinste Spaghetti drehen, sondern auch Fimo und andere Massen.

Mit der Zeit verlieren Modelliermassen an Feuchtigkeit. Fehlende Feuchtigkeit macht die Werkstoffe starr und porös, sodass sie schnell brechen, wenn du versuchst sie durchzukneten. Möglicherweise benötigst du einige Tropfen Mineralöl oder Babyöl, um ihr die nötige Elastizität wiederzugeben.

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Ausformung und Gestaltung

Die bearbeitbaren Streifen aus Fimo liegen bereit, jetzt geht es an die Modellierung.

Die richtige Farbe

Solltest du weiße Fimo-Streifen ausgerollt haben, solltest du sie nun mit einer Acryltusche einfärben. Alternativ kannst du auch eine komplett weiße Skulptur modellieren und sie mit Acrylfarbe bepinseln, nachdem sie vollständig ausgehärtet ist.

Die gewöhnliche Vorgehensweise beinhaltet allerdings mehrere Fimo-Stücke mit unterschiedlichen Farben, die nach dem Vorbereiten und Ausrollen der einzelnen Stücke miteinander vermengt werden. Je nach Farbauswahl und Farbverhältnis kannst du gemäß einfacher Mischgesetze die benötigten Farbtöne selbst zusammenstellen. Achte hierbei darauf, dass du dominante, dunkle Fimo-Stückchen eher Schritt-für-Schritt anderen Stücken beimischst, um dich an die gewünschte Farbe heranzutasten.

Mit der Zeit sammelst du genügend Erfahrung, um das passende Mischverhältnis intuitiv bestimmen zu können.

Die fertig gefärbten Fimo-Blöcke liegen dir für den nächsten Schritt bereit: Die Ausformung der Einzelteile.


Die Formung des Polymer Clays

Mithilfe von Modellierwerkzeugen schneidest oder schnitzt du die Fimo-Stücke zurecht. Je nachdem, welche Techniken du anwenden willst unterscheidet sich auch das benötigte Werkzeug. Harte Kanten schneidest du idealerweise mit einem feinen Messer mit hauchdünner Klinge. Dazu wird oft eine flexible Klinge genutzt, die sich sowohl gebogen als auch in ihrem geraden Ausgangszustand durch die Modelliermasse drücken lässt.

Detailarbeiten werden besser mit einem feinen Skalpell geschnitten oder mit Werkzeugen geschnitzt, die auch in der Töpferei eingesetzt werden. Schnitzmesser für Modellierarbeiten werden oft als Set angeboten, sodass du mit einem Standard-Set gut zurecht kommen solltest. Eine Übersicht an Modellierwerkzeugen, die für Ton und Polymer Clay geeignet sind, findest du hier.

Besonders feine Arbeiten können auch alternativ mit einem Zahnstocher ausgeführt werden. In dieser Veranschaulichung bedient sich die Künstlerin einer Auswahl verschieden gefärbter Farbblöcke, Zahnstochern und Silikonpinseln, um die Fellstruktur einer Katze zu imitieren:


Zusammensetzen der einzelnen Stücke

Ein fertiges Werk besteht meist aus vielen einzelnen Fimo-Stücken, die nacheinander gefertigt werden und anschließend aneinander gehaftet werden, um als Gesamtobjekt zu verschmelzen. Je nach Modellierung kann es schon reichen, die Einzelteile nacheinander zusammenzusetzen und anschließend mit geeigneten Werkzeugen festzudrücken und zu bearbeiten.

Für Skulpturen mit weit abstehenden oder dünnen Einzelelementen sollte ein internes Gerüst aus Stäben oder Zahnstochern gebildet werden. Die Zahnstocher oder die Stäbchen werden so weit in den Hauptteil der Skulptur getrieben, dass ein Rest außen übersteht. Die Anbauteile, die sicher am Kernstück haften sollen, werden anschließend auf die überstehenden Teile der Zahnstocher gesteckt, sodass die Stützen gänzlich bedeckt werden und nicht die Existenz eines innenliegenden Gerüsts preisgeben.

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Backen und Aushärten lassen

Nach der Zusammensetzung der Rohmasse folgt das Backen. Das Modell kann in einem gewöhnlichen Küchenofen auf einem Backblech mit Backpapier gebacken werden. Die Backtemperatur steht immer auf den Verpackungen des Polymer Clays. Gewöhnliche Temperaturen schwanken je nach Hersteller – Staedtler gibt auf ihren Fimo-Packungen 110°C an.

Die Backzeit richtet sich nach der Dicke des zu backenden Objekts. Achte darauf, dass du den Ofen immer auf die benötigte Temperatur vorheizt, um die Skulpturen minutengenau herausnehmen zu können, sodass sie nicht verbrennen.

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Nachbearbeitung

Zur Nachbearbeitung deiner Fimo-Skulptur kannst du unterschiedliche Ansätze ausprobieren.

Du kannst dein Modell beispielsweise mit Acrylfarbe anpinseln, um bestimmte Stellen zu akzentuieren oder Schattierungen besser zur Geltung kommen zu lassen. Du kannst auch ein feines Schleifpapier nutzen, um die Oberfläche abzuschleifen, zu glätten und Fingerabdrücke loszuwerden. Wenn du ein Schmuckstück herstellen willst, solltest du die Oberfläche polieren, falls du mit einer darauffolgenden Versiegelung maximale Strahlkraft erzeugen willst.

Wichtig ist, dass die Methode der Nachbearbeitung zu deinem Werk passt. 

Harte Kanten eines mit Fimo nachgebildeten Edelsteins können wie in diesem Tutorial mit weißer Farbe verdeutlicht werden, um die Wirkung zu verstärken:

In der nachfolgenden Veranschaulichung siehst du ein Ei aus Polymer Clay, das mit Schleifpapier abgeschliffen wird, um die perfekte Grundlage für eine Glanzversiegelung zu bieten:

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Versiegelung

Die Oberflächenversiegelung des fertiggestellten Kunstwerks wird oft diskutiert. Nicht jedes Werk muss versiegelt werden, schließlich härtet die Masse vollständig im Backofen aus und wird wasserundurchlässig. Eine Versiegelung wird aus zwei Gründen eingesetzt:

  • Zusätzliche Effekte auf der Oberfläche (Glanz oder Mattierung
  • Haltbarmachung von verwendeten Substanzen, die nicht aus Polymer Clay bestehen (Mixed Media) und daher nicht im Ofen aushärten und beständig gemacht werden

Es gibt mehrere Substanzen, die zur Versiegelung einer Fimo-Bastelei genutzt werden können:

Die Vor- und Nachteile beider Optionen sollen vorgestellt werden:

Firnis

Der Schlussfirnis aus Acryllacken wird gerne eingesetzt, um Unebenheiten in Oberflächen auszugleichen. Bei der Auswahl eines bestimmten Firnis' solltest du darauf achten, dass die versiegelte Oberfläche nach dem Trocknen nicht klebt und er schnell aushärtet. 

Solche Lacke werden mit glänzen oder matten Eigenschaften angeboten. Für die meisten Werke sind glänzende Klarlacke die bessere Wahl, um die darunterliegenden Farben zum Leuchten zu bringen.


Kunstharz

Der Begriff Resin ist zwar auch in Deutschland gebräuchlich, viele Künstlerinnen und Künstler wissen allerdings nicht, was sich dahinter verbirgt. Gemeint ist ein Kunstharz, das unter Zugabe von einem Härter durchsichtig aushärtet und die Oberfläche versiegelt. Resin ist als extrem resistente Versiegelung bekannt, die die darunterliegenden Stoffe nicht angreift und darüber hinaus in größeren Mengen sehr preiswert ist. Hier findest du unsere umfangreiche Bastelanleitung zum Umgang mit Resin.

Nachteilig an Resin ist das Anmischen der beiden Komponenten (Härter und Harz) und seine recht lange Trocknungsdauer. Die meisten Harze benötigen zwischen 12 und 24 Stunden, um vollständigen auszuhärten.

Resin wird in der Fimo- und Polymer Clay Bastelei auch eingesetzt, um ganze Landschaften oder große transparente Elemente zu gießen.

In folgender Veranschaulichung hat der Künstler eine Harz-Kuppel mit Resin befüllt und darin eine Unterwasserlandschaft gebastelt. Sobald die transparente Kuppel ausgehärtet ist, wird sie mit einer ansonsten recht simplen Polymer Clay-Figur verbunden:

Wenn du auf lange Sicht nicht nur deine Werke mit dem Lack versiegeln willst, sondern ganze Kunstwerke erzeugen willst, die zum Rest deiner Fimo-Kunst passt, führt kein Weg an Resin vorbei.

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Ursprung des Polymer Clay

Die Ursprünge des Polymer Clays liegen in Deutschland. In den 1930ern Jahren hatte die Tochter der deutschen Puppenmacherin Käthe Kruse – Sofie Rehbinder-Kruse – Schwierigkeiten, die für die Herstellung der Puppen benötigten Substanzen zu besorgen. Aus der Not heraus entwickelte Sofie Rehbinder-Kruse eine neue Masse, mit der die Puppen gebaut werden konnten. Im Jahr 1964 verkaufte sie schließlich die Rezeptur und die damit verbundenen Nutzungsrechte an die Eberhard Faber GmbH.

Faber nutzte die Rezeptur, um daraus ein Produkt zu entwickeln, dass nicht zur Puppenherstellung genutzt werden sollte, sondern direkt an den Endverbraucher vertrieben wird. 1978 übernahm schließlich die Staedtler Mars GmbH & Co. KG die Eberhard Faber GmbH, weshalb die Modelliermasse seither von Staedtler verkauft wird.

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Hersteller von Polymer Clay

Neben Staedtler und ihrer Marke Fimo gibt es weitere Hersteller, die ähnliche Polymer Clay-Massen vertreiben. Neben der deutschen Ursprungsformel sieht man vor allem die Marken Premo und Kato in englischsprachigen Anleitungen.

Da Fimo im deutschsprachigen Raum eine echte Tradition besitzt und ihre Preise sowie Verfügbarkeiten hierzulande kaum zu toppen sind, wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorwiegend mit Fimo gebastelt.

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Wie bemalt man die Modellierungen

Du kannst die Modelle mit ganz normaler Acrylfarbe bemalen, um ihnen die benötigten Details zu verpassen. Mimiken und Gestiken kommen oft erst durch die Farbe überhaupt zum Ausdruck. Du solltest die Acrylfarbe erst auftragen nachdem die Skulpturen aus dem Ofen genommen wurden und wieder abgekühlt sind.

Eine weitere Idee ist es, einzelne Stücke der Modelliermasse mit unterschiedlichen Farben zu mischen, um exakt die Nuancen zu erhalten, die du für dein Modell benötigst.

Falls du genauere Tipps und Ideen zur Bemalung von Fimo benötigst, findest du in diesem Artikel eine genaue Anleitung.

  • Jenni sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag. Hier werden alle Fragen zum Thema Polymer clay/Fimo beantwortet.

    Die Künstlerin Tina yu hat mich mit ihren zauberhaften Skulpturen dazu inspiriert selbst zu modellieren. Dadurch beschäftigt mich jedoch seit einiger Zeit die modelliermasse die sie direkt auf Holz aufträgt.

    In den Videos von Tina yu kann man den modellier Prozess ihrer Skulpturen verfolgen. Ein Paar dieser Skulpturen werden direkt auf einem Holz Untergrund angebracht. Ich wüsste gerne was für clay sie dafür benutzt. Kann mir jemand weiter helfen? Leider antwortet sie selbst nicht auf diese Frage. Sie benutzt vielleicht einfach nur Fimo air, aber sie hat sich bis heute nicht dazu geäußert.

    Ihre Modelliermasse wird auch nicht rissig beim trocknen, hab aber ein paar Rückmeldungen zu fimo air bekommen die besagen dass es beim trocknen rissig wird..
    Ich muss einfach wissen was sie benutzt 😆 das macht mich wahnsinnig

    Grüße von
    Jenni 🙃

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