Raku Keramik – Der Rakubrand in 6 Schritten

Die Raku Keramik basiert auf einem kunstvollen Brandverfahren, das garantiert einzigartige Resultate erzeugt. Du fragst dich wie die aus Japan stammende Technik funktioniert? In den folgenden 6 Punkten erfährst du von der Geschichte bis hin zur Anleitung alles Wissenswerte zur Raku Keramik.

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Geschichte

Das japanische Wort Raku bedeutet auf Deutsch so viel wie Vergnügen, Freude oder Genuss. Der Ursprung dieser Brandtechnik reicht bis in das Japan des 16. Jahrhunderts zurück. In den 1580er Jahren soll der Dachziegelmacher Chōjirō das Verfahren entwickelt haben, bis es einige Jahre später von seinem Schüler Jōkei verfeinert wurde.

Japans Dächer

Japan, 16. Jhd.: Auf den Dächern Japans hat die Raku Keramik ihren Ursprung

Jōkei bekam den Auftrag, die Dachziegel des Palasts eines japanischen Feldherrn und Politikers anfertigen zu dürfen. Als Dank erhielt er vom Feldherrn ein Siegel mit der Aufschrift „raku“, was den Dachziegelmacher so erfreute, dass er das Wort Raku als Familienname annahm und damit die Ära der Raku-Keramik begründete.

Bei der klassischen japanischen Raku-Technik wird zunächst ein Biskuitbrand der Keramik durchgeführt, bevor sie in einem zweiten Brandvorgang, nun mit Glasur, noch einmal erhitzt wird. In speziellen Raku-Brennöfen wird die Zieltemperatur extrem schnell erreicht, bevor die noch glühende Keramik in ihrem heißesten Zustand dem Ofen mit einer Zange entnommen wird. 

Anschließend wird die Keramik an der frischen Luft oder in einem Wasserbad abgekühlt, anstatt ihre Temperatur vorsichtig und langsam im Ofen herunterzuregulieren.

Kennzeichnend für alle Raku-Brände sind die extremen Temperaturwechsel, die das Material ohne Schäden überstehen muss.

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Abwandlung der ursprünglichen Technik

Das traditionelle japanische Raku wurde seit Ende des 2. Weltkriegs von westlichen Keramikern weiterentwickelt, sodass man heutzutage „Japanisches Raku“ von „Westlichem Raku“ zu trennen weiß.

Der britische Töpfer Bernard Leach schilderte in den 1940er Jahren in einem seiner Bücher seine Einführung in die traditionelle Raku-Technik.

Davon inspiriert, begann der US-amerikanische Töpfer Hal Riegger die Technik zu üben und anzuwenden, bis er sich 1958 entschloss, sein neu erlangtes Können auch in Lehrkursen anderen Töpfern beizubringen. In diesem Zusammenhang wurde die Keramik erstmals im Reduktionsofen in entflammbares Material gehüllt, das der Glasur Sauerstoff entzieht und das unverkennbare Krakelee erzeugt. Da das Krakelee nicht beeinflusst werden kann, handelt es sich bei jeder Raku-gebrannten Keramik um ein Unikat.

Während sich diese Methode wie im Lauffeuer verbreitete, experimentierte Paul Soldner, ebenfalls Töpfer aus den USA, mit der neuen Brenntechnik an besonders kunstvollen und kreativen Objekten, die in klarem Gegensatz zur bis dahin weitestgehend pragmatischen Raku-Keramik standen.

Paul Soldner und Hal Riegger gelten als die Erfinder der westlichen Raku-Keramik, die heutzutage in weiten Teilen der westlichen Welt aber auch in Asien praktiziert wird, da die Ergebnisse wesentlich unvorhersehbarer und einzigartiger sind als die der klassischen Raku-Technik.

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Vorbereitung

Drei Aspekte sind bei der Herstellung der Raku-Keramik unabdingbar: Eine widerstandsfähige Masse, die die Temperaturschwankungen aushalten kann, einen geeigneten Brennofen und das nötige Zubehör.

Die Raku-Masse

Im Vergleich zu gewöhnliche Tonmassen ist die Raku-Masse recht grob. Um die Temperaturschwankungen aushalten zu können, sollten rund 30 bis 50 Prozent der Masse aus nichtplastischem Material bestehen. Am häufigsten wird Sand, Kyanit oder Schamotte verwendet.

Im ersten Schritt der Raku-Technik wird ein Biskuitbrand der Keramik durchgeführt, bevor die Glasur aufgetragen wird. Der Rohbrand verleiht der Keramik die nötige Resistenz und wird meist in einem Temperaturbereich zwischen 900 und  980° durchgeführt, je nachdem, wie hoch der Anteil des nichtplastischen Materials ist.

Das Biskuitporzellan wird anschließend glasiert und für die weitere Verarbeitung im Raku-Brennofen vorbereitet.

Der Brennofen

Für die meisten Keramiken reicht ein Ofen mit einem schmalen Durchmesser. Wichtiger ist, dass er sich leicht öffnen lässt und einen guten Zugang zum Objekt bietet, um die heiße Ware sicher aus dem Inneren holen zu können.

Raku Brennofen

Terry Robinson / Flickr / CC BY-SA 2.0 : Der Deckel des Raku-Ofens wird gerade angehoben

Öfen, deren gesamte Kappe (Wände und Dach) angehoben werden können, anstatt nur den Deckel öffnen zu können, sind zu bevorzugen, allerdings für den Hausgebrauch beinahe unmöglich zu bekommen,

Das Zubehör

Unbedingt nötig sind feuer- und wärmeresistente Handschuhe, die du tragen musst, um die heißen Keramiken anzufassen oder die Zange zu halten. Handschuhe aus Kevlar oder Nomex sind ein Muss, wenn du die mehrere Hundert Grad heißen Keramiken direkt anfassen willst.

Eine wärmeresistente Zange ist notwendig, um die noch glühende Keramik aus dem Brennofen zu heben. Solche Zangen sind für die extremen Temperaturen ausgelegt.

Die richtige Kleidung macht den Unterschied. Auf keinen Fall solltest du synthetische Stoffe tragen, da sie schmelzen können, wenn zu heiße Gegenstände in ihre Nähe kommen. Für die meisten Einsätze reicht eine dicke Jeans und ein langer Baumwollpullover sowie dichtes Schuhwerk. Für mehr Schutz sollte noch mehr Schutzausrüstung getragen werden. Am häufigsten werden Keramiker-Schürzen aus Kevlar eingesetzt, die beinahe bis zum Boden reichen.

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Die Prozedur im Raku-Brennofen

Die mit einer Glasur überzogene Keramik wird in den Ofen gestellt und erhitzt, bis die Glasur anfängt zu schmelzen und bereits leicht flüssig wird. Typischerweise erreicht die Keramik in den kleinen Brennöfen recht zügig die benötigte Temperatur. Wo genau der Schmelzpunkt der Glasur liegt, hängt von ihrer Zusammensetzung ab.

Sobald der Keramiker die gewünschte Konsistenz der Glasur feststellen kann, muss die Keramik rasch aus dem Ofen genommen werden, um sie nicht zu beschädigen. Trotz der Eile hat Sicherheit die höchste Priorität beim Öffnen des Brennofens.

Raku im Ofen

Robert Couse-Baker / Flickr / CC BY-SA 2.0 : Die noch  heiße Keramik wird mit einer Raku Zange entnommen

Durch den extremen Temperaturunterschied zwischen dem Inneren des Ofens und der Außentemperatur der Luft entsteht auf der Glasuroberfläche das für die Raku-Keramik typische Krakelee. Dabei handelt es sich um ein Netz auf feinsten Haarrissen, das im nächsten Schritt herausgearbeitet und betont wird.

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Verarbeitung bis hin zur Raku-Keramik

Erst der Räucherprozess macht aus dem fertigen Glasurbrand eine Raku-Keramik. Die zu erwartenden Endergebnisse richten sich nach der Zusammensetzung der Glasur. 

Aufbau und Setup des Räucherbehälters 

Beim Transport vom Brennofen in die Räucherkammer wird das angesprochene Zubehör benötigt. Achte beim Aufbau der Anlage darauf, die Wege zwischen Ofen und Räucherkammer möglichst kurz und direkt zu halten und Hindernisse gänzlich zu vermeiden. Einerseits verringert das das Risiko eines Sturzes bzw. eines Bruches der Keramik, andererseits behält die Glasur dadurch die benötigte Hitze, die sie beim Räuchern benötigt.

Als Räucherkammer dienen große metallische Behälter, die sich mit einem Deckel abschließen lassen und feuerfest sind. Dabei brauchst du keine besonders ansehnliche Lösung, sondern eine funktionale, da die Kammer hohen Temperaturen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sein wird.

Der Reduktionsvorgang

Um einen Reduktionsbrand zu entfachen, muss das Innere der Kammer zunächst mit brennbarem Material ausgelegt werden. Am häufigsten werden dazu Sägespäne, Heu oder Stroh eingesetzt, da sie sehr fein sind und filigrane Spuren in der Glasur hinterlassen.

Raku Sägespäne

Hier befindet sich die Keramik in einem Bett aus Sägespänen

Die glühend heiße Keramik wird in ein Nest aus brennbarem Material gelegt, das aufgrund der Hitze unverzüglich in Flammen aufgeht. Sobald sich ein kleines Feuer um das Objekt ausgebreitet hat, solltest du die gesamte Keramik mit noch mehr des brennbaren Materials einhüllen, um einen gleichmäßigeren Reduktionsprozess zu gewährleisten.

Anschließend muss die Kammer luftdicht verschlossen werden, damit das Feuer den gesamten Sauerstoff im Inneren aufbrauchen kann. Je nach gewünschtem Effekt sollte die Raku Keramik mindestens 10 bis 30 Minuten geräuchert werden, bevor du die Kammer wieder öffnest.

Unterschiedliche Resultate durch verschiedene Glasuren

Durch das Räuchern des Glasurbrands lagert sich schwarzer Rauch in den Glasurrissen und den nicht glasierten Teilen der Keramik ab - Der Ton und die Haarrisse in der Glasur werden durch den Kohlenstoff schwarz gefärbt.

Solltest du  eine metallische Glasur verwenden, liegt der Fokus nicht auf dem schwarz gefärbten Krakelee, sondern auf den Farbverläufen, die sich über die gesamte Keramik ziehen. Vor allem Kupfer reagiert bei der Reduktion spannend: Hier wechseln sich rote, grüne und gemischte Farbverläufe ab.

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Fertigstellung

Nach der Reduktion in der Kammer wird die Keramik ziemlich unansehnlich daherkommen. Das liegt an der dicken Ruß- und Ascheschicht, die sich auf der Oberfläche abgelagert hat. Um sie davon zu befreien, werden die warmen Objekte in ein Wasserbad gelegt und manuell gereinigt. Achte darauf, dass die Keramik schon ein wenig abgekühlt sein muss, da die Oberfläche springen kann, wenn sie noch sehr heiß in Wasser getränkt wird.

Eine Kugelvase mit metallischer Glasur bei der Reinigung

Nach dem kurzen Tauchgang kannst du die Asche mit einem nassen Schwamm oder einem Lappen abwischen, bis die glänzende Glasur in ihrer ganzen Pracht zu sehen ist.

Der Raku Brand ist nun fertiggestellt und du hast ein außerordentliches Unikat erschaffen, dessen Schönheit du dich noch lange erfreuen kannst.

Leseempfehlung zu Japanischer Keramik

http://www.e-yakimono.net/guide/html/raku-yaki.html

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