Das beste Studiomikrofon – Ratgeber zum Gesangsmikrofon

Ein Vocal Recording steht und fällt mit der Auswahl des Gesangsmikrofons: Das Mikrofon hat einen höheren Einfluss auf das Ergebnis als die meisten anderen Komponenten der Aufnahmekette.

Dein perfektes Studio-Mikrofon muss zum Einsatzzweck, dem vorhandenen Equipment und idealerweise auch zu Deiner Stimme und Deiner Art zu singen passen.

Ziel einer guten Gesangsaufnahme ist schließlich nicht nur eine möglichst hohe Aufnahmequalität, sondern auch eine möglichst realistische, naturgetreue Wiedergabe der Gesangsstimme.

 In unserem Ratgeber klären wir die Eignung verschiedener Mikrofon-Typen für Gesangsaufnahmen, geben wichtige Hinweise zu Richtcharakteristik und Raumakustik und empfehlen geeignetes Zubehör.

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Welche Mikrofonarten eignen sich für welche Art von Gesang?

Bei Gesangsmikrofonen sind eigentlich nur zwei Bauarten interessant: Dynamische Mikrofone und Kondensatormikrofone. Mit beiden Mikrofonarten lassen sich hervor-ragende Ergebnisse erzielen – je nachdem, was für die jeweilige Aufnahme erwünscht ist.

Dynamische Mikrofone

Dynamische Mikrofone sind robuste Allrounder, die auch mit unsensibler Behandlung und einem hohem Grenzschalldruckpegel zurecht kommen. Das macht sie vor allem interessant für den Live-Einsatz. Dynamische Mikrofone können allerdings auch im Recording gute Dienste leisten. Sie benötigen keine Phantomspeisung und nehmen besonders mittenlastige Signale gut ab.

 Dank ihrer vergleichsweise einfachen Handhabung sind sie für Einsteiger eine interessante Alternative zu Kondensatormikrofonen.

Nachteile: Ihr Impulsverhalten ist aufgrund des relativ hohen Gewichts der Membran schlechter als das von Kondensatormikrofonen. Daher werden die Höhen nicht ganz so gut wiedergegeben, wie es bei Vocal Recordings meist gewünscht wird. Dies lässt sich zwar teilweise im Mixing durch den Einsatz eines Equalizers ausgleichen, jedoch trägt eine starke Nachbearbeitung nicht gerade zu einem natürlich klingenden Sound bei.

Das Impulsverhalten eines Mikrofons hängt vom Gewicht bzw. der Masse der Membran ab: Da hohe Frequenzen weniger ,Kraft’ als tiefe Frequenzen haben, eine Masse zu bewegen, reagieren die schweren Membranen dynamischer Mikrofone schlechter als die leichteren Membranen in Kondensatormikrofonen.

Kondensatormikrofone

Kondensatormikrofone haben ein deutlich besseres Impulsverhalten als dynamische Mikrofone. Sie reagieren äußerst sensibel und lösen auch höhenlastige Signale fein auf.

Bei sachgemäßer Benutzung garantieren sie eine sehr hohe Klangqualität und höchstmögliche Klangtreue (also eine hohe Neutralität). Für ihre hohe Ausgangsspannung benötigen sie Phantomspeisung, also eine externe Stromversorgung.

Nachteile: Kondensatormikros sind mechanisch anfälliger als dynamische Mikrofone, können schon bei einmaligem Fallenlassen kaputt gehen und müssen daher sehr schonend behandelt werden. Für hohe Schalldruckpegel sind sie eher ungeeignet.

Unterschiede der Membrangröße

Es gibt Kondensatormikros mit kleineren und mit größeren Membranen. Für die Aufnahme von Gesang werden mehrheitlich Großmembran-Mikros verwendet: Sie weisen eine höhere Empfindlichkeit gegenüber leisen Tönen sowie ein geringeres Eigenrauschen auf. Kleinmembran-Mikrofone reagieren dafür schneller auf die akustischen Signale und besser auf hohe Frequenzen. Sie sind sehr detailliert, liefern jedoch weniger Output und sind bei Nahbesprechung oft weniger angenehm im Klang. Die Membrangröße entscheidet auch über den Charakter der Stimme: (Hohe) Frauenstimmen und hohe Männerstimmen sollten Mikrofone mit etwas kleineren Membranen verwenden, um die brillanten Höhen zur Geltung zu bringen. Für basslastige Aufnahmen greift man am besten zu einem Mikrofon mit richtig großer Membran. Diese verleiht der Stimme zudem eine natürliche Wärme.

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Gesangsmikrofone: Live vs. Studio

Mikrofone für den Live-Betrieb unterscheiden sich von Studio-Mikros durch ihre Konstruktionsweise und ihre Robustheit.

Studio-Mikrofone werden vor allem für hohe Aufnahmequalität konstruiert, während Gesangsmikrofone für Live-Konzerte deutlich mehr aushalten, dafür aber Abstriche im Impulsverhalten gemacht werden müssen.

Mikrofone für Live-Gesang

Bei Live-Gigs im Pop- und Rockbereich werden vor allem dynamische Mikrofone eingesetzt. Sie sind unempfindlich gegenüber Nebengeräuschen und beinahe unverwüstlich.

Für Live Vocals z. B. im Akustik-, Jazz- oder Chorbereich sind Kondensatormikrofone perfekt, da diese eine feinere, natürlichere Stimmwiedergabe ermöglichen.

Mikrofone für Studio-Gesang

Für das Vocal-Recording im Homestudio oder Tonstudio ist in den allermeisten Fällen ein Kondensatormikrofon mit Großmembran ideal.

Im Vergleich dazu ist ein dynamisches Mikrofon dann besser geeignet, wenn z. B. der Raumanteil in den Gesangsaufnahmen verringert werden und Nebengeräusche reduziert aufgenommen werden sollen. 

Auch Probleme mit zu stark herauskommenden Sibilanten (Lispeln) können durch den Einsatz eines guten dynamischen Mikros anstelle eines kompliziert zu bedienenden De-Essers vermieden werden.

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Hinweise zur Richtcharakteristik

Die Eigenschaften von Mikrofonen hängt neben der grundlegenden Bauweise auch stark von der Richtcharakteristik ab. Diese definiert, aus welcher Richtung der Schall aufgenommen wird.

Dynamische Mikrofone z. B. haben häufig eine Nierencharakteristik. Hier wird der Schall mehr von der Vorderseite aufgenommen, daher sind diese Mikrofone weniger anfällig für Rückkopplungen (Feedbacks).

 Die Richtcharakteristik ist auch frequenzabhängig, verhält sich also bei verschiedenen Frequenzen jeweils unterschiedlich. Dies gilt insbesondere für Großmembranmikrofone, bei Kleinmembranmikrofonen fällt der Unterschied geringer aus.

Es gibt auch Mikrofone mit umschaltbarer Richtcharakteristik, was sich jedoch für wirklich hochwertige Gesangsaufnahmen eher nicht empfiehlt. Bei mechanisch umschaltbaren Mikros ist die Ausprägung der Richtcharakteristika in der Regel stärker als bei elektronisch umschaltbaren Varianten.

Für Gesangsaufnahmen im Tonstudio kommt es bei der Auswahl der Richtcharakteristik u. a. darauf an, was genau aufgenommen werden soll. In unserem Gesangsmikrofon Test konnten wir folgende Erfahrungswerte sammeln:

Was soll aufgenommen werden?

Welche Richtcharakteristik?

Solo-Gesang

Niere: Dämpft seitlichen Schall etwas und rückwärtigen Schall maximal. Für die meisten Anwendungen im Studio gut geeignet.

Aufnahme von Duetten oder Backing Vocals mit nur einem Mikrofon, bei der von zwei Seiten ins Mikrofon gesungen werden soll.

Acht: Bidirektional gerichtet, nimmt von vorn und hinten gleichmäßig viel Schall auf. Störgeräusche von den Seiten werden fast vollständig ausgeblendet.

Aufnahme von Gruppen, bei der alle Sänger(innen) im selben Abstand zum Mikro positioniert werden sollen.

Kugel: nimmt Audioquellen omnidirektional, also aus allen Richtungen und Winkeln gleichmäßig auf. Anfällig für Feedbacks und Störgeräusche, absolute Ruhe bei Aufnahme erforderlich.

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Geeignetes Zubehör für Gesangsaufnahmen

Studiomikrofon Zubehör

Wenn Du möglichst naturgetreue Aufnahmen machen möchtest und Wert auf hohe Klangqualität legst, kommen also vor allem Kondensatormikrofone in Frage. Damit diese ihre Qualitäten auch voll entfalten können, ist neben der richtigen Aufnahmetechnik auch der Aufbau entscheidend:

So sollte die Sängerin oder der Sänger einen geraden, etwas gestreckten, aber bequemen Stand einnehmen und dabei das Mikrofon gut erreichen können. Dabei müssen vor allem die empfindlichen Kondensatormikrofone sicher in einem Stativ, Mikrofonständer oder einer anderen Halterung gehalten werden.

Eine sogenannte Spinne, in der das Mikrofon schwingend aufgehängt wird, minimiert dabei Nebengeräusche, die sich etwa durch Vibrationen über den Boden übertragen können: Das kann ,Trittschall‘ sein oder ein versehentliches Berühren des Stativs.

Ein Popp- oder Ploppschutz verhindert zudem, dass plosive Laute wie P, B oder K zu stark wiedergegeben werden. Dies ist bei hochempfindlichen Großmembran-Kondensator- mikrofonen ein absolutes Muss, da diese kritischen Konsonanten sonst als tieffrequente Störimpulse aufgenommen werden: Es ,ploppt‘.

Das Kabel (in der Regel mit drei-poligem XLR-Steckverbinder) führst Du am besten direkt am Stativ entlang zum Boden und nicht im Standbereich der Sängerin oder des Sängers zum Audio-Interface oder sonstigem Aufnahme-Equipment. So verhinderst Du Trittschall-Übertragung durch ein versehentliches Anstoßen des Kabels.

Zubehör-Checkliste

  • Stativ oder hohe Halterung
  • Mikrofonklemme (für dynamische Mikrofone)
  • Spinne (für Kondensatormikrofone)
  • Poppschutz (für Kondensatormikrofone und dynamische Mikrofone ohne integrierten Poppschutz)
  •  XLR-Kabel

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Einfluss der Raumakustik auf den Sound

Der Ort, an dem Du Deine Gesangsaufnahmen machst, kann große Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Ein Altbau-Raum oder Loft, der es auch als Homestory in die nächste Schöner Wohnen-Ausgabe schaffen würde, ist leider am wenigsten für gutes Vocal Recording geeignet:

Welche Raumsituationen eignen sich (nicht) für Gesangsaufnahmen?

Gut geeignet

Nicht gut geeignet

  • mittelgroße Räume
  • kleine Fenster mit schweren Vorhängen, geschlossen
  • stark möblierte Räume
  • zum Innenhof oder Garten gelegene Räume
  • die ruhigste Zeit des Tages
  • chevron-right
    ruhige Lage ohne Quellen für Störgeräusche
  • chevron-right
    alle elektronischen Geräte, insbesondere Mobilgeräte, Telefone, Fernseher, Lautsprecher etc. sind ausgeschaltet
  • große Räume mit hohen Decken
  • Holzdielen oder Steinboden
  • große Fenster, gekippt oder geöffnet
  • minimalistisch möblierte Räume
  • zu belebten Straßen oder Schienen gelegene Räume
  • Rush hour, Feierabendverkehr oder Lieferzeiten
  • in unmittelbarer Nähe von Störgeräusch-Quellen wie Baustellen, Werkstätten, Kitas o.ä.
  • elektrische Geräte, Neonröhren, Bewässerungs- oder Lüftungsanlagen, Aquarien oder Tierkäfige sind in Betrieb

Damit Du mit möglichst wenig Störgeräuschen zu kämpfen hast, solltest Du darauf achten, dass Aufnahmeraum oder Studio möglichst gut gedämmt sind. Dies ist ganz besonders bei der Verwendung von Kondensatormikrofonen der Fall, denn diese sind anfälliger für Raumhall und Nebengeräusche.

Glatte Flächen werfen den Schall wieder zurück ins Mikrofon, was nicht erwünscht ist. Diese Sound-Reflexionen kannst Du mit Möbeln, Vorhängen, (Wand-)Teppichen und Kissen abmindern oder dämpfen.

Die professionelle Variante sind Schallabsorber wie Noppen-Schaumstoffabsorber, Melamin-Schaumplatten oder Absorber-Panels aus Akustikschaum oder Holz. Diese gibt es fertig als Einzelteile oder im Set zu kaufen. 

Du kannst Dir aber auch Schallabsorber selber bauen, indem Du z. B. für Deine Räumlichkeiten passende Holzrahmen zimmerst und diese mit Rockwool füllst.

Wenn Du keinen entsprechend optimierten Raum zur Verfügung hast, nutzt Du am besten ein Großmembran-Mikrofon. Diese können Hintergrundgeräusche, Eigenrauschen und weitere Störeffekte besser als Mikros mit kleinerer Membran ausblenden.

Dynamische Mikrofone nehmen generell mehr direkten Schall und weniger Raumanteil auf. Häufig haben sie auch einen integrierten Poppschutz – und sie können einfach auf ein Stativ gesteckt oder in die Hand genommen werden. Wer beim Singen daran gewöhnt ist, viel mit dem Mikrofon in der Hand zu arbeiten, wird sich mit einem dynamischen Gesangsmikrofon also ohnehin wohler fühlen.

Gerade für Homestudios gibt es keine allgemeingültigen Regeln, nach denen sich das optimale Ergebnis erzielen lässt. Experimentiere ein bisschen mit dem Aufbau und der Positionierung der Mikrofone sowie des Zubehörs.

Auch die Position der singenden Person im Raum und ihr Abstand zum Mikrofon bzw. zum Poppschutz bewirkt mitunter große Unterschiede im Klang. Mach dazu deinen eigenen Gesangsmikrofon Test, denn schließlich ist jedes Gerät auf der Aufnahme unterschiedlich. Wenn der ideale Abstand der Sängerin oder des Sängers zum Mikrofon gefunden ist, sollte dieser mehr oder weniger statisch gehalten werden, da Bewegung nicht nur die Lautstärke, sondern auch den Klangcharakter beeinflusst.

Vocal Recording erfordert zwar technisches Know-How – trotzdem ist es keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.

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Was Du sonst noch beachten solltest

Singen lernen

Üben und Gesangsmikrofone testen

Mikrofone und menschliche Stimmen wirken auf sehr unterschiedliche Weisen zusammen. So wie jede Stimme und jedes Instrument einen jeweils ganz eigenen klanglichen Charakter aufweist, können auch Gesangsmikrofone sehr verschieden klingen.

Kaufempfehlungen können hier nur auf einem sehr technischen Level gegeben werden. Ob das Mikrofon, das die Gesangsstimme Deiner Freundin so wunderbar warm und voll klingen lässt, mit Deiner Stimme auch funktioniert und sie nicht nasal und quäkig klingen lässt, musst Du ausprobieren.

Budget vs. Anspruch

Dynamische Mikrofone sind in der Regel günstiger als Kondensatormikrofone. Zudem benötigst Du weniger Zubehör, weil Du sie auch ohne Spinne und oft auch ohne zusätzlichen Poppschutz für Gesangs-Recording verwenden kannst.

Jedoch bekommst Du mittlerweile auch schon verhältnismäßig preiswerte Großmembran-Kondensatormikrofone, mit denen Du fantastisch klingende Aufnahmen erzielen kannst.

Wir empfehlen, gleich in ein hochwertiges Modell zu investieren, damit Du Dir Enttäuschungen mit starkem Eigenrauschen und Klangeinbußen ersparst und nicht am Ende doppelt kaufen musst. Nutze dazu die Erkenntnisse unseres Studiomikrofon Tests, um einen Deal mit besonders lohnendem Preis/Leistung-Verhältnis zu finden.

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Das Wichtigste ist immer noch der Gesang

Du kannst die besten Gesangsmikrofone der Welt test, eines solltest Du allerdings nicht vergessen: Wenn nichts Gutes reinkommt, kommt auch trotz feinstem Profi-Equipment nichts Gutes raus. 

Daher solltest Du Dich oder Dein(e) Sänger(in) sich vor allem auf die Gesangsleistung konzentrieren. Außerdem gibt es einige Dinge, die man beim Singen im Studio beachten sollte:  

Um keine Störgeräusche zu verursachen und einen gleichbleibenden Gesamt-Sound der Stimme zu erreichen, sollte die singende Person eine möglichst ruhige Körperhaltung einnehmen und etwa den Kopf nicht hin und her drehen. Damit der Gesang trotzdem dynamisch und authentisch statt verkrampft klingt, gilt es hier, die Balance zwischen natürlichem Körpergefühl, tiefer Emotion und professioneller Gesangshaltung zu finden.

Über eine gute Stimmkontrolle können außerdem Übergänge und erneute Durchgänge bzw. zusätzliche Aufnahmen so eingesungen werden, dass man später gar nicht bemerkt, welche Teile erst nachträglich zusammengesetzt wurden.

Wenn Du beim Singen auch in Deine Mimik viel Gefühl hinein legst, wird man das auf der Aufnahme hören können. Spiele ruhig ein wenig damit und probiere aus, wie es klingt, wenn Du die Möglichkeiten Deiner Gesangsstimme in die eine oder andere Richtung ausreizt.

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