Zeichnen am PC – Digitale Kunstwerke selber machen

Professionelles Zeichnen ohne Stift und Papier – das schien noch vor ein paar Jahrzehnten absolute Zukunftsmusik zu sein. Selbst papierloses Zeichnen, wie etwa auf der Zaubertafel, lieferte selten zufriedenstellende künstlerische Ergebnisse. Also hat man die graue Zeichnung auf der magischen Zeichentafel schnell wieder weggewischt und so ist das Zeichnen auf der Tafel zum Mitnehmen etwas zur Beschäftigung für Kinder auf langen Autofahrten geblieben. 

Das Zeichentablet sowie ausgefeilte Zeichenprogramme haben das papierlose Zeichnen jedoch in den professionellen Bereich vordringen lassen. Digitalkünstler, Art Director, Filmemacher und andere Kreative skizzieren ihre Ideen und fertigen ganze Kunstwerke heute vorzugsweise auf Tablet oder PC an. Die Vorteile des digitalen Zeichnens liegen auf der Hand: Die fertigen Dateien können per Mausklick verschickt und mit anderen in den Sozialen Netzwerken geteilt werden. Abfotografieren, kopieren, einscannen – all das ist nicht mehr nötig.

Und das Beste: Beim digitalen Zeichnen und Malen kommt es zu keinen Klecksen auf Kleidung, Boden oder Wänden. Wer sich einmal vermalt hat, musste beim analogen Malen womöglich ganz von vorne anfangen. Beim digitalen Zeichenvorgang kannst du Fehler mit einem Klick rückgängig machen oder abgeschlossene Arbeitsphasen auf der Festplatte gesichert werden.

Doch wer das digitale Zeichnen meistern möchte, muss auch erst einmal anfangen und das Zeichnen am PC lernen. Schließlich fühlt es sich zunächst nicht nur fremdartig an, mit digitalem Zeichenstift oder Maus auf dem Bildschirm zu malen, es funktioniert auch ganz anders.


Erste Schritte – Zeichnen am PC lernen

Spätestens seit dem Malprogramm Paint ist das Zeichnen am PC möglich. Doch mit der simplen Standardsoftware von Windows lassen sich nur schwer echte Kunstwerke erschaffen.

Eine Ausnahme stellt hier vielleicht die 87-jährige Großmutter Concha García Zaera dar, die sich im Selbststudium das digitale Zeichnen mit Microsoft Paint beigebracht hat und damit zu einem Internetstar geworden ist.

Professionelle Illustratoren und andere Digitalkünstler greifen jedoch zu hochwertiger Software, um am PC zu zeichnen und zu malen, darunter:

  • Adobe Illustrator, Photoshop und InDesign
  • Artweaver
  • Corel Painter, CorelCAD und CorelDRAW
  • Procreate
  • Clip Studio Paint

Vor allem Einsteiger profitieren von sogenannter Freeware, also kostenlosen Programmen wie SketchBook und GIMP.

Ohne die passende Hardware bringt dir allerdings auch die beste Software nichts. Die zweite Komponente, die die Digitale Kunst ausmacht, ist ein sogenanntes Grafiktablet. Diese Hightech-Geräte reagieren auf den Kontakt eines entsprechenden Tabletstifts und übertragen die Signale an den Bildschirm und das Bearbeitungsprogramm.

Zeichnen Am PC Grafiktablett

Foto: mirt​mir / Shutterstock.com

Gute und günstige Grafiktablets für Menschen, die das Zeichnen am PC erst lernen, sind bereits für unter 150 Euro zu haben. Besonders beliebt in diesem Segment ist das Wacom Intuos Art. Das handliche Tablet gilt sowohl im deutschsprachigen, als auch im internationalen Raum als der wohl beste Einstieg in die Digitalmalerei.

Für ein professionelles Zeichentablet wie das Wacom Cintiq oder für das multitouchfähige Microsoft Surface Book kannst du mitunter mehrere tausend Euro hinblättern. Dafür gibt es dann ein nahezu rahmenloses Design, HD-Qualität, Standfüße für eine ergonomische Neigung des Displays und jede Menge integrierten Speicherplatz, damit du all deine Kreationen auch auf die Festplatte bekommst. Hinzu kommen diverse Ports, um dein Grafiktablet mit verschiedenen Geräten und externen Speichermedien zu verbinden.

Wenn du dein erstes Grafiktablet in Händen hältst, musst du das Zeichnen am Computer lernen, genauso wie du einst den Umgang mit Stift, Pinsel und Papier erlernt hast. Große Kunstwerke wird das Display daher zu Beginn eher nicht ausspucken. Vor allem die Software und die integrierten Werkzeuge gilt es zunächst zu verinnerlichen, um später die kreativen Möglichkeiten deines Grafiktablets voll auszukosten.

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    Öffne daher im ersten Schritt die Zeichensoftware, zum Beispiel Adobe Photoshop oder GIMP. Probiere verschiedene Zeichenwerkzeuge vom Stift bis zum Pinsel aus und fertige ein paar Doodles, also Kritzeleien an. Wie lässt sich der Zeichenstift auf dem Display bewegen? Welche Linien und Effekte entstehen mit welchem Werkzeug?
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    Versuche dann Buchstaben zu schreiben und schließlich eine einfache Skizze, zum Beispiel von einem geometrischen Körper, anzufertigen – und zwar Freihand.
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    Mache dich nun mit den verschiedenen Ebenen vertraut. Welche Attribute kannst du diesen Ebenen zuweisen, um Schablonen zur Verbesserung deines kreativen Schaffensprozesses zu nutzen?

All diese Fragen kannst du dir im autodidaktischen Studium durch Trial and Error selbst beantworten. Manchmal muss man einfach machen! Wenn du an irgendeiner Stelle ins Stocken gerätst, kannst du auch auf ein Videotutorial zurückgreifen. Zahlreiche Digitalkünstler erklären auf YouTube, wie sie beim Zeichnen am PC oder Tablet vorgehen.

In ihren Kanälen findest du außerdem häufig eindrucksvolle Speedpainting-Videos, die dir im Zeitraffer zeigen, was beim digitalen Zeichnen alles möglich ist. Jetzt hast du es in der Hand, selbst tolle digitale Kunstwerke zu erschaffen.


Analog vs digital – Vier wichtige Unterschiede

Perspektivwechsel

Während deine Augen beim Arbeiten mit Stift und Papier oder Pinsel und Leinwand stets den Bewegungen deiner Hand folgen, wandert der Blick beim Zeichnen am PC über den Bildschirm. Was deine Hand mit dem digitalen Zeichenstift macht, ist ganz egal. Du schaust beim Schreiben am Computer ja auch nicht, was die Hand gerade tut, sondern folgst dem Cursor auf dem Screen. 

Wer nur lange genug mit digitalen Zeichenprogrammen arbeitet, empfindet die eigene Hand beim herkömmlichen Zeichnen oder Malen mitunter sogar als störend. Irgendwie scheint die Hand immer im Weg zu sein. Sie verdeckt stets einen Teil des Motivs und verwischt schlimmstenfalls, was du gerade zu Papier gebracht hast.

Wacom Cintiq

Eine Ausnahme bilden Grafiktablets wie das Wacom Cintiq, bei denen du mit einem digitalen Zeichenstift direkt auf dem Display arbeitest. Vor allem professionelle Digitalkünstler fertigen ihre Werke meist mithilfe eines solchen Zeichentablets und der dazugehörigen Software an.

Neues Zeichengefühl

Jedes Zeichen- oder Malwerkzeug bringt seine ganz eigene Handhabung und Haptik mit sich. Angefangen beim Kratzen eines Bleistifts auf Papier, das nicht nur spürbar, sondern auch zu hören ist, bis hin zu ineinanderlaufenden Farben bei Aquarellbildern, die erst einmal beherrscht werden wollen, fallen diese Qualitäten beim digitalen Zeichnen weg.

Das hat seine Vorteile. Endlich landet die Farbe nur dort, wo sie hin soll und vermischt sich nicht einfach so mit anderen Farben. Du musst auch nicht erst warten, bis eine Farbschicht trocken ist, um erneut den Pinsel anzusetzen.

Doch irgendwie fehlt, egal ob beim Arbeiten auf dem Grafiktablet oder mit der Maus am PC, der ach so gewohnte Widerstand. Das digitale Malwerkzeug gleitet ungehindert über den Screen. Das kann sich zu Beginn ziemlich ungewohnt anfühlen.

Einige Digitalkünstler greifen daher zu spezieller Zeichenfolie für mehr Grip auf dem "Malgrund". Produkte wie PaperLike-Folien sollen tatsächlich ein natürliches Schreib- und Zeichengefühl auf dem Tablet erzeugen, haben jedoch den entscheidenden Nachteil, dass sie die Bildqualität mindern. Irgendwie scheint Grieß auf dem Display zu sein. Dein Motiv erscheint unscharf und krisselig. Dafür blendet der Bildschirm zwar auch weniger, wenn die Sonne darauf scheint, doch was nützt das, wenn du die Feinheiten deines Bilds nun schlechter erkennst?

Zeichnen oder malen – Ganz egal, Hauptsache digital 

In der analogen Welt macht es einen gewaltigen Unterschied, für welche Technik du dich entscheidest.

Bleistift- oder Kohlezeichnung, Ölgemälde oder Aquarell – in welche Kategorie dein Werk fallen wird, legst du mit dem Ansetzen deines Zeichen- oder Malwerkzeugs fest.

Doch bei Tablet und PC kannst du beliebig zwischen den Tools im Zeichenprogramm wählen und im Handumdrehen sogar kreative Mixed Media Artworks kreieren, indem du Fotos illustrierst oder bei Bildcollagen nochmal den digitalen Zeichenstift ansetzt.

Durch das regelmäßige Zwischenspeichern kannst du bis zum Schluss nochmal eine neue Richtung einschlagen – ganz zu schweigen von möglichen Filtern, die dir die meisten Bildbearbeitungsprogramme liefern, um deinem digitalen Kunstwerk ein spezielles Finish zu verleihen. Dabei verschwimmen auch die Grenzen zwischen Zeichnen und Malen. Stift oder Pinsel – beides ist möglich. 

Von Bildkomposition und Bildkonstruktion

Bildkonstruktion Grafiktablett

Foto: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com

Die verschiedenen Werkzeuge eröffnen einen enormen Gestaltungsspielraum. Doch das Gestalten am Bildschirm funktioniert anders als auf herkömmlichem Zeichen- oder Malgrund. Ähnlich wie auf Zeichenkarton oder Leinwand wirst du dein Motiv in einem Zeichenprogramm zunächst skizzieren. Doch mit den Möglichkeiten des digitalen Zeichnens wirst du schnell lernen, dass du dein Bild am Bildschirm in gewisser Weise vor allem konstruierst.

Während du in aller Regel – von der Collage einmal abgesehen – bei einem analogen Kunstwerk auf nur einem Mal- oder Zeichengrund kreativ wirst, stehen dir in einem Zeichenprogramm mehrere Ebenen zur Auswahl, die du zur Orientierung heranziehen und nach Belieben übereinanderlegen und schlussendlich auch miteinander verschmelzen kannst.

Wenn du das Zeichnen am PC zu lernen beginnst, wirst du dich an den Gebrauch von solchen Schablonen gewöhnen. 

Weitere Vorteile der digitalen Zeichnung

Na Interesse geweckt? Verständlich. Falls du weitere Infos zur digitalen Kunst benötigst, findest du dazu auf folgenden Seiten wertvolle :

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